Bulle & Bär
Börse zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Mit Statistiken ist es so eine Sache. Traue keiner, wenn du sie nicht selbst gefälscht hast, sagt der Volksmund. Bislang galt als ausgemacht, dass der September kein guter, sondern ein richtig schlechter Monat für die Börse ist. Es gibt genügend Statistiken, die das bezeugen. Der Dax legte in diesem Monat aber deutlich zu.

FRANKFURT. Mit Statistiken ist es so eine Sache. Traue keiner, wenn du sie nicht selbst gefälscht hast, sagt der Volksmund. Bislang galt als ausgemacht, dass der September kein guter, sondern ein richtig schlechter Monat für die Börse ist. Es gibt genügend Statistiken, die das bezeugen. Und dann das! Nach dem erwartet schlechten Start in der ersten Septemberwoche legte der Dax zuletzt kräftig zu; fast mühelos kletterte er über die Marke von 5 700 Punkten - nichts war zu spüren von der so gefürchteten Septembermüdigkeit. Sollte etwa auch die Börsenstatistik lügen?

Abwarten. Ein paar Tage bleiben ja noch. Und es gibt einige Argumente, die dafür sprechen, dass der September seinen zweifelhaften Ruf auch in diesem Jahr verteidigen wird. Die kommenden Handelstage haben es jedenfalls in sich, eine Vielzahl von Konjunkturdaten dürfte die Aktienkurse bewegen. Im Fokus stehen die sogenannten Stimmungsindikatoren, allen voran der Ifo-Geschäftsklimaindex, der am Donnerstag präsentiert wird. In den USA äußert sich am Freitag die Universität Michigan zum Verbrauchervertrauen.

Vermutlich werden beide, Ifo-Index und US-Verbrauchervertrauen, relativ gut ausfallen. Das gilt zumindest für die Erwartungen der Befragten. Anleger sollten aber auch darauf schauen, wie die Befragten ihre aktuelle Situation einschätzen. Zuletzt hat sich nämlich gezeigt, dass die Erwartungen an die Zukunft nicht ganz mit dem derzeitigen Befinden übereinstimmen. Anders ausgedrückt: Aus Sicht der Befragten sind die Aussichten rosig, die aktuelle Lage dagegen ist weiterhin, naja, nennen wir es bescheiden.

Für die Börse könnte die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit schon bald zu einem echten Problem werden. In der jetzigen Phase brauchen die Märkte etwas mehr Gewissheit, dass der ungebremste Optimismus auch tatsächlich gerechtfertigt ist. Wenn die Zukunft tatsächlich so rosig ist, wie viele der Stimmungsindikatoren uns zuletzt weismachten, muss sich auch die Einschätzung der aktuellen Situation möglichst bald verbessern. Andernfalls droht der Börse ein Rückschlag. Immerhin wäre der Ruf des Septembers in diesem Falle gerettet.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen
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