Bulle und Bär
Börsen-Ausblick: Optimisten unerwünscht

Geht es um das Börsenjahr 2008, lassen sich die Prognosen folgendermaßen zusammenfassen: So richtig optimistisch ist niemand, so richtig pessimistisch aber auch nicht. Bestenfalls geht es demnach an den Börsen zehn bis zwölf Prozent nach oben, schlimmstenfalls bleibt alles, wie es ist.

FRANKFURT. Das Auffällige dabei ist, dass genau diese Kernaussage schon in den vergangenen Jahren stets zu hören war. Und wer sich daran orientiert hat, der hat das Beste verpasst. Man kann es sich nun einfach machen und auf allerhand Indikatoren verweisen, die seit mittlerweile fünf Jahren jeweils um so viel besser ausfallen als es zu erwarten war. Man kann das Thema aber auch breiter aufziehen und darüber philosophieren, warum es in der Börsenwelt des 21. Jahrhunderts so wenig opportun ist, richtig optimistisch zu sein.

Bei Ersterem gab es durchaus einen Mix aus gewaltigen Veränderungen in den Unternehmen, langfristig angelegten ordnungspolitischen Reformprozessen und vielen glücklichen Fügungen, die am Ende zu deutlich höheren Kurssteigerungen führten als erwartet.

Der zweite Aspekt bedarf einer weitaus differenzierteren Betrachtung. Denn noch immer gilt: War ein Experte zu wenig optimistisch, dann ist er dem Charme nur schwer zu durchblickender Strömungen nicht erlegen und hat zumindest kein Geld vernichtet. War er hingegen zu optimistisch, hat er am Ende nicht nur seine Kunden vergrault, auch der Spott der Kollegen ist ihm sicher. "Phantasten", wie diese Spezies von Kollegen gerne genannt wird, sind eine immer wieder beliebte Abladefläche für Häme aller Art. Wer hingegen dem Kursaufschwung nur hinterhergelaufen ist, erfährt im Normalfall keine Beachtung, im schlimmsten Fall Mitleid. Hintergedanke ist stets: Es hätte einem auch selbst so gehen können.

Für 2008 hat die gesamte Situation eine zusätzliche Facette erhalten: "Die Lage ist eigentlich gar nicht so schlecht, nur weiß man eben nicht, was noch Negatives kommt", lautet der Tenor. Damit sind selbstredend weitere Gefahren aus der US-Hypothekenkrise gemeint. Allerdings ist es egal, ob vorgestern UBS und morgen irgendeine andere Großbank eine neue Milliardenabschreibung präsentiert.

Die entscheidende Frage ist, ob Konzerne aus anderen Bereichen als aus der Finanzwelt künftig schwieriger an Kredite kommen. Ob die Krise also ganz real beispielsweise auf Bayer, Linde und MAN überspringt. Das ist gottlob derzeit nicht der Fall. Und wenn sich im nächsten halben Jahr nichts Derartiges abzeichnet - wonach es derzeit aussieht -, wird es dazu wohl auch nicht mehr kommen.

Stattdessen sollte die Frage erlaubt sein, was möglich ist, wenn sich ab dem Sommer vieles in Wohlgefallen auflöst, das Thema Subprime in den Börsen-Geschichtsbüchern landet und die Weltwirtschaft sich als viel stärker als erwartet erweist. Daran darf man gar nicht denken. Das wäre nicht opportun.

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