Bulle & Bär
Börsen: Erst einmal parken

In der langfristigen Betrachtung bleiben Aktien zwar erste Wahl. Ein Investment bei den jetzigen Kursen scheint aber verfrüht.

FRANKFURT. Die Märkte scheinen immer mehr aus den Fugen zu geraten. Preise und Kurse bringen Tagesschwankungen hinter sich, die dem Betrachter vor einigen Monaten noch unmöglich erschienen wären. Überall das gleiche Bild - seien es Aktien, Anleihen, Währungen oder in den letzten Tagen auch die stürzenden Rohstoffe. Extreme Schwankungen verstärken die ohnehin schon eskalierende Unsicherheit.

Jetzt gerät sogar das große Bild steigender Inflationsgefahr in die Diskussion. Es werden wieder Stimmen laut, die beim Thema Geldentwertung abwinken. Diese Analysten wedeln mit dem Rezessionsszenario und wenden sich der Deflationsthese zu, visieren demnach eine Periode fallender Preise an.

Das Konglomerat der Gefahren und Unwägbarkeiten erschwert Anlageentscheidungen. Und hinter allem droht noch eine weitere Eskalation der Kreditkrise. Privatanleger müssen sich völlig überfordert fühlen, geradezu hilflos. Sie sind zwar in guter Gesellschaft. In den vergangenen Wochen und Monaten haben auch die Profis viel verloren. Aber es ist kein echter Trost, wenn mancher Milliardär zum Millionär wurde.

Am besten nimmt man Abstand von den Tageszuckungen an den Märkten und blickt auf die längerfristigen Trends bei den einzelnen Anlagegruppen. Aktien sind eher gefährdet als das sie längerfristige Chancen bieten. Ihre Erträge hängen stark von der Bewertung zum Kaufzeitpunkt ab, wie Daten für die Wall Street belegen. Aktuell können Anleger hier auf Sicht der nächsten zehn Jahre nur mit durchschnittlichen inflationsbereinigten Jahresrenditen von null Prozent rechnen. Das ist alles andere als üppig. Ausnahmen könnten eventuell Schwellenländer oder spezielle Aktienstrategien bieten.

Staatsanleihen werfen im historischen Vergleich nur noch magere nominale Renditen ab. Inflationsbereinigt laufen die Verzinsungen auch hier eher auf Null zu. Rohstoffe scheinen ganz aktuell ebenfalls out zu sein. Einige Analysten rufen wegen der Preisstürze bereits das Ende der Hausse aus. Doch nach den fulminanten Anstiegen der Vorjahre ist eine Korrektur mehr als überfällig.

Spätestens jetzt sind die Investoren in der Welt angekommen, die ihnen von Finanzmarktkennern seit einigen Jahren angekündigt wurde: eine Welt durchweg niedriger Renditen, über alle Anlageformen hinweg. Die Notenbanken mit ihrer expansiven Geldpolitik haben die gute Stimmung an den Märkten allerdings länger gehalten als zu erwarten war. Nun stellt sich die Frage nach der passenden Anlagepolitik umso dringlicher.

In der langfristigen Betrachtung bleiben Aktien zwar erste Wahl. Ein Investment bei den jetzigen Kursen scheint aber verfrüht. Erst einmal gilt es, für ein wenig Ruhe zu sorgen. Für das Depot scheinen hohe Barbestände, kurz laufende Zinsanlagen und ausgewählte Rohstoffe angebracht. Den Aktien wird zu einem späteren Zeitpunkt wieder die Stunde schlagen.

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