Bulle & Bär
Börsen: Es wird neu gemischt

Wenn Aktienmärkte so durcheinander geschüttelt werden wie in den letzten sieben Wochen, dann bereiten sich Profis schon auf die nächste Rally vor. Egal ob die Korrektur schon zu Ende ist oder neue Tiefstände nach der Zwischenerholung zu erwarten sind: Die Gewinner des nächsten Aktienbooms dürften in jedem Fall in ganz anderen Branchen zu finden sein als bei der letzten Rally.

DÜSSELDORF. Das war 2000 zu erleben, als die Technologie-Aktien, Medien und Telekomwerte den Bach hinunter gingen. Stattdessen haben dann bisherige Mauerblümchen wie Tabak– und Nahrungsmittelhersteller oder auch Ölaktien das Rennen gemacht. Bei der Rally ab 2003 sind dann Minenaktien und Versorger in den Vordergrund getreten, die zuvor unbeachtet geblieben waren. Und jetzt?

Anleger haben offenbar gehörig Angst, dass die US-Zentralbank mit ihren Zinserhöhungen zu weit gehen und das weltweite Wirtschaftswachstum abwürgen könnte. Ob es so drastisch kommt, ist noch nicht klar, aber mit Sicherheit wird sich das Gewinnwachstum der Konzerne weltweit verlangsamen. Die Analysten von ABN Amro etwa rechnen damit, dass sich die Ergebnisse der großen europäischen Konzerne nach 35 Prozent im vergangenen Jahr nur noch um zehn Prozent in diesem Jahr verbessern. Ob die Weltwirtschaft abgewürgt wird oder ob sie langsamer wächst - mit Sicherheit tritt die Konjunktur in eine neue Phase.

Besorgte Anleger wählen jetzt lieber Titel, die weniger von der wirtschaftlichen Lage abhängig sind, wenn sie überhaupt schon wieder Aktien kaufen. Jetzt könnte etwa endlich der Zeitpunkt für die Klassiker unter den Defensiven, die Pharmahersteller gekommen sein. In der letzten Rally sind sie abgehängt worden, weil viele Patente ausgelaufen sind. Große Namen wie Bayer, Sanofi-Aventis, Novartis oder Johnson & Johnson sind inzwischen alle zu Kurs-Gewinn-Verhältnissen zwischen 14 und 17 zu haben. Die Risiken scheinen in den Kursen enthalten zu sein. Nun ist der Moment für positive Überraschungen gekommen. Gute Chancen haben jetzt auch Biotech Firmen.

Ein weiterer Klassiker sind Hersteller von Konsumgütern des täglichen Bedarfs. Ihnen traut das US-Researchinstitut Ned Davis jetzt ebenfalls eine Führungsrolle zu. Die europäische ABN Amro ist jedoch bei Lebensmittel- und Getränkeherstellern skeptisch. Die Margen seien in dem Sektor zu gering. Immerhin: Freizeit- und Sportartikelhersteller wie Adidas, Puma und Trigano (Campinganhänger) haben auch die Niederländer auf ihrer Kaufliste.

Nicht alles wird anders. Die Rohstoffpreise werden weiter steigen, sind sich Ökonomen einig. Damit ist die Rally der Ölwerte und der Minenaktien noch nicht zu Ende. Schwieriger wird es jetzt auf alle Fälle für Titel aus den Schwellenländern. Anleger ziehen sich in sicherere Märkte mit großer Kapitalstärke zurück - nach Europa und die USA.

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