Bulle und Bär
Börsenaufschwung nähert sich seinem Gipfel

Bis auf fünf Punkte war der Dax vor gut zwei Wochen an sein historisches Hoch aus dem Boomjahr 2000 herangekommen. Seitdem schaukelt die Börse unter heftigen Schwankungen. Genauso wie vor sieben Jahren. Wiederholt sich die Geschichte und landen wir in drei Jahren wieder bei 2188 Punkten? So tief notierte der Dax im März 2003.

DÜSSELDORF. Ein Blick auf die 30 Dax-Mitglieder zeigt zum Glück große Unterschiede - und beruhigt ein wenig unsere angeschlagenen Nerven.

Bekannt ist, dass die Kursgewinne Ende der 90er-Jahre in erster Linie aus überzogenen Wachstumserwartungen in der TMT-Branche resultierte. Aktien aus den Bereichen Telekom, Medien und Technologie waren hoffnungslos überteuert. Den letzten großen Anstieg im Frühjahr 2000 verdankte unser Börsenbarometer ganzen vier Werten: Deutsche Telekom, Mannesmann, SAP und Siemens. Der Rest stagnierte. Gar zwei Drittel der Dax-Mitglieder verzeichnete sogar Verluste! Die wenigen Schwergewichte kaschierten also, dass die Gesamtbörse bereits schwer angeschlagen war.

Ganz anders das Frühjahr 2007: Diesmal leisten 25 Dax-Mitglieder ihren positiven Kursbeitrag, damit der Dax wieder über die 8 000-Punkte-Marke steigt. Kein einziger Dax-Titel weist nennenswerte Verluste auf. Die Marktbreite - für Profis eine signifikante Größe, um einen Aufschwung als gesund oder krank zu bezeichnen - stimmt in der jüngsten Hausse also.

Ganz anders als damals stellen sich diesmal auch die Rahmenbedingungen dar: Bei gleichem Punktestand verdienen die Dax-Konzerne nach Berechnungen der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) heute mehr als doppelt so viel wie vor sieben Jahren. Anders ausgedrückt: Aktien sind weniger als halb so teuer wie im Jahr 2000. Damit sind sie jetzt zwar nicht spottbillig. Immerhin waren sie damals dramatisch überbewertet. Aktien kosten heute etwas weniger als es dem Durchschnitt seit Ende des Zweiten Weltkriegs entspricht.

Gibt es denn gar keine Parallelen zu damals? Doch, ein paar. Die Wirtschaft, ganz besonders in Deutschland, brummt derzeit so stark wie vor sieben Jahren. Auch steigen die Notenbanken-Zinsen und die Renditen an den Finanzmärkten. Auf Dauer bedeutet das Gift für die Aktienmärkte, weil steigende Zinsen die Fremdfinanzierung verteuert und die Unternehmen sich deshalb tendenziell höher verschulden. Das schmälert künftige Gewinne. Zudem: Jedem Konjunkturboom folgt unwiderruflich ein Abschwung - nur den Termin dafür kennt niemand.

All das heißt: Der vor vier Jahren begonnene Börsenaufschwung nähert sich seinem Gipfel. Ob er ihn bereits erreicht hat, vermag niemand seriös zu beantworten. Einfacher ist aber dieses Fazit: Solange die Firmengewinne weiter steigen, droht auch der Börse nicht wirklich Gefahr. Und solange die Gewinne nicht massiv einbrechen, sind Sorgen über einen Absturz à la 2000 bis 2003 übertrieben.

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