Bulle & Bär
Börsenausblick: Reine Nervensache

Dass die Psyche der Anleger die Aktienkurse mitunter weit mehr bewegt als schnöde Unternehmensmeldungen, ist keine neue Erkenntnis. In dieser Handelswoche könnte sie trotzdem von Bedeutung sein.

FRANKFURT. Dass die Psyche der Anleger die Aktienkurse mitunter weit mehr bewegt als schnöde Unternehmensmeldungen, ist keine neue Erkenntnis. In dieser Handelswoche könnte sie trotzdem von Bedeutung sein.

Die meisten großen Unternehmen in den USA und Europa haben mittlerweile ihr Zahlenwerk für das dritte Quartal vorgelegt. Die einen mehr, die anderen weniger erfolgreich. Von den Dax-Konzernen zieht am Mittwoch noch Infineon nach. Wunder sind von dem Münchener Chiphersteller beileibe nicht zu erwarten. Dafür sieht es für die Branche einfach zu schlecht aus. Die Infineon-Tochter Quimonda etwa steht kurz vor der Pleite.

Die Anleger sind in der nachrichtenarmen Zeit mehr oder weniger sich selbst überlassen. Na gut, sie können sich mit einer Vielzahl von Konjunkturdaten über die Woche retten. Da steht Einiges auf dem Programm. Zahlen zum US-Arbeitsmarkt, Daten zu den Erzeugerpreisen und so weiter und so fort. Zuletzt fielen wichtige Konjunkturindizes wie etwa der Ifo-Index so rasant, dass einem fast schwindelig werden konnte. Dass die Welt in eine schwere Rezession rutscht, ist an den Börsen jedoch seit längerem bekannt. Wenn auch diese Woche die Daten miserabel ausfallen, dürfte das die Anleger kaum erschüttern. Zuletzt reagierten sie relativ gelassen auf Hiobsbotschaften. Das ist ein gutes Zeichen.

Für eine Überraschung könnte die Europäische Zentralbank (EZB) sorgen. Am Donnerstag wird sie die Leitzinsen ein weiteres Mal senken. Die Börse rechnet mit 50 Basispunkten auf dann 2,75 Prozent. Der EZB-Schattenrat, eine Gruppe international renommierter Ökonomen, empfiehlt mehr. Der Börse täte eine Überraschung gut, zumal die Euro-Notenbanker im Vergleich zu ihren Kollegen in aller Welt zuletzt knauserten.

Vieles wird diese Woche vom Nervenkostüm der Anleger abhängen. Es ist die Zeit der Schnäppchenjäger und Zocker; das haben die vergangenen Handelstage gezeigt, als der Deutsche Aktienindex (Dax) an nur einem Tag mehr als zehn Prozent nach oben schnellte. Interessanterweise waren die Umsätze äußerst gering. Wenig Aufwand, große Wirkung.

Die großen Kursschwankungen sind ideal für Zocker. Rein, raus, abkassieren. Das Angstbarometer der Börse, der VDax, ist zuletzt zwar etwas gefallen. Mit rund 50 Punkten liegt er aber noch weit über den Normalwerten unter 15. Das jetzige Niveau bedeutet, dass die Marktteilnehmer auf Sicht von 30 Tagen mit einer Schwankungsbreite von mehr als 50 Prozent für Dax-Aktien rechnen – nach oben wie nach unten.

Die alles entscheidende Frage für langfristig orientierte Anleger aber wird sein, wie lange der Wirtschaftsabschwung anhalten wird. In den Analyse-Abteilungen der Banken ist man vorsichtig optimistisch, dass es gegen Ende 2009 schon wieder bergauf gehen könnte mit Weltwirtschaft und Aktienkursen. Die DZ Bank etwa glaubt, dass der Dax in einem Jahr bereits wieder bei 6 000 Punkten notiert. Die heutigen Kurse wären dann Schnäppchenpreise. Alles reine Nervensache.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen
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