Bulle & Bär
Börsenblasen: Highway to Hell

Ganz Deutschland ist im Fußballfieber. Die Emotionen gehen hoch. Da rückt der nahende Halbjahresultimo als Abrechnungsdatum gedanklich in den Hintergrund - bei den Kicker-Fans wie bei den Anlegern. Zu Unrecht, denn die Sechsmonatsbilanz für die Kapitalmärkte birgt Zündstoff.

FRANKFURT. Es kommen unangenehme Zahlen auf den Tisch. Deutsche und europäische Standardaktien sind um rund ein Fünftel abgesackt. Anleihen warfen kaum etwas ab. Klassische Zinsanlagen brachten quer durch die Bank kaum etwas ein - schon gar nicht bei Einrechnung der Inflation. Wenn es etwas zu verdienen gab, dann mit Rohstoffen. Einschlägige Indizes weisen im Schnitt ein Viertel an Wertgewinn aus.

Die Kurzfristbilanz gibt erste Signale für die langfristigen Trends, an denen sich ein Vermögensaufbau orientieren muss. Lazard Asset Management nimmt den Faden auf. Das Anlagehaus verpasst seiner Studie über die Finanzmärkte den wenig beruhigenden Titel "Jahrzehnt der Kapitalmarktblasen". Diese Blasen-Ära feiert zehnjähriges Jubiläum. Nach der Asien- und Russlandkrise brach vor einer Dekade der Hedge-Fonds LTCM zusammen. Dann folgte der Aktienkollaps zur Jahrtausendwende, anschließend der 11. September 2001 und seine Schockwellen.

Derzeit platzt die Blase am US-Immobilienmarkt. Das Hypothekendesaster ist mittlerweile zu einer allgemeinen Kreditkrise mutiert. Diese Krise hat den gesamten Globus infiziert und strahlt auf sämtliche Vermögensformen aus. Zunehmende Inflationsgefahren verschärfen eine ohnehin brisante Lage. Die Lazard-Experten fragen, welche Anlagen in so einem Umfeld geballter Großrisiken Erfolg versprechen. Sie setzen Investments in Schwellenländer, Infrastruktur, Energie und Gold ganz oben auf die Gewinnerliste.

Wahrscheinlich werden auch diese Anlagen irgendwann in einer Spekulationsblase münden, die anschließend platzt. Bis dahin könnten jedoch Jahre ins Land gehen. Insoweit wird Geldanlage zu einem "Blasen-Hüpfen": Investoren müssen früh auf einen neuen Langfristtrend aufspringen und rechtzeitig in der Nähe der Überhitzung wieder aussteigen. Dann ruft die nächste Blase.

Zugegeben: Das ist um vieles schwerer als es sich anhört. Wer es dennoch schafft, beschreitet den "Stairway to Heaven", wie Lazard mit Anspielung auf den legendären 1970er-Jahre-Rocksong der Kultband Led Zeppelin formuliert. Im Musikantenjargon führen Anlagen in Schwellenländern und knappen Rohstoffen auf die Treppe in den Himmel des Investmenterfolges.

Wenn Anleger dagegen das Platzen der Blase verpassen und Verluste aufhäufen, bleibt ihnen nur die Erinnerung an die Zeppelin-Konkurrenten AC/DC und deren Chartstürmer "Highway to Hell". Mit einem Großteil der klassischen Aktien und wohl auch Zinsanlagen dürften Anleger auf der Autobahn Richtung Hölle fahren.

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