Bulle & Bär
Börsengänge: neue Verschwiegenheit

Jahrelang gab es am Markt für Börsengänge (IPO) das gleiche Spiel zu beobachten: Irgendein Vorstand hatte - manchmal beiläufig - in der Öffentlichkeit erzählt, dass er für sein Unternehmen in Zukunft den Börsengang nicht ausschließen kann. Sofort tauchte der Name in den einschlägigen Watchlists für künftige Aktienemissionen auf, so dass im Kontext zu der Gesellschaft künftig stets der Begriff "Börsenkandidat" stand. Manche Namen werden so seit Jahren in irgendwelchen Listen geführt, obwohl das Management oft längst andere Pläne zur künftigen Unternehmensfinanzierung hat.

FRANKFURT. Bei den Börsenkandidaten dieses Jahres wird sich wohl erstmals die alte Weisheit, wonach Reden Silber und Schweigen Gold ist, durchsetzen. Gut die Hälfte aller 20 bis 30 Unternehmen, die Experten zufolge im laufenden Jahr an die Börse wollen, sollen noch auf keiner der einschlägigen Watchlists aufgetaucht sein.

Der Umdenkprozess, der vor allem von den begleitenden Banken und Emissionsberatern gesteuert wird, hängt vor allem mit den erwarteten kräftigen Schwankungen in diesem Jahr an den Weltbörsen zusammen. Geht es dann für mehrere Wochen steil bergauf, werden Börsenpläne schnell zur Realität und innerhalb kurzer Zeit umgesetzt. Für die Kandidaten hat dies den Vorteil, dass sie durch ihre neue Verschwiegenheit dann an die Börse kommen können, wenn die höchsten Preise zu erzielen sind. Und ihre Banken und Berater, deren Honorar gewöhnlich prozentual am Erfolg der Emission hängt, profitieren natürlich ebenfalls.

Den Auftakt dieser Entwicklung gab es bereits im vergangenen Jahr zu sehen. Als bis zum Ausbruch der Subprime-Krise im Juli die Börsen kontinuierlich anzogen, kamen plötzlich Namen aus der Deckung, die bis dato kaum ein Börsianer je in Zusammenhang mit der Börse gehört hat. SAF Holland, wo Spezialteile für LKW-Trailer hergestellt werden, und Homag, Maschinenbauer für die Möbelindustrie, zählten beispielsweise dazu. Sie kamen in Windeseile an den Markt, noch ehe die Hypothekenkrise die Börsen durcheinander wirbelte. Inzwischen notieren beide Aktien gut ein Drittel unter ihrem Ausgabepreis, was verdeutlicht, dass die neue Verschwiegenheit der Börsenkandidaten nicht für alle an der Emission Beteiligten ein Vorteil ist.

Für das gerade angelaufene Jahr bedeutet das, dass es je nach Börsenlage zu sehr vielen oder fast keinen IPOs kommen kann. Falls es nämlich an den internationalen Aktienmärkten schlechter als erwartet läuft, werden nur die Unternehmen ihren Börsengang durchziehen, die frisches Kapital dringend nötig haben. Es kann aber auch bedeuten, dass die alten Muster, dass Börsenneulinge entweder zwischen Ende Februar und Anfang Juni oder zwischen September und Anfang Dezember kommen, so nicht mehr stimmt. Wer in diesem Jahr an die Börse will, der kommt dann, wenn dem Markt danach ist. Aber das wissen außer ihm selbst derzeit nur wenige.

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