Bulle & Bär
Börsensprache: Bail me out, Scotty!

Ob Credit Default Swap, Bail-out oder Tarp - in der Krise sickern viele Begriffe aus der Börsensprache in unseren Wortschatz ein. Die wichtigsten haben wir inzwischen ins Deutsche übertragen. Wer will, kann sich die Krise aber auch mit bewegten Bildern erklären lassen - im Internet. Und das kann mitunter ziemlich amüsant sein.

FRANKFURT. Wer hätte gedacht, dass es "Credit Default Swaps" bis in öffentlich-rechtliche Nachrichtensendungen schaffen. Minutenlang müht sich der Sprecher zur besten Sendezeit im ZDF, diese Kreditausfallversicherungen einem breiten Publikum zu erklären - und warum sie ganze Banken und Ökonomien ins Wanken bringen. Da sind Bilder gefragt. Der Blick fällt auf gezeichnete Bankfassaden mit antiker Anmutung, bleibt an Geldscheinen hängen, die munter hin und her geschoben werden. So bekommt der Normalbürger im Fernsehsessel die komplexen Fachbegriffe beigebracht.

Die Sprecher jonglieren mittlerweile mit vielen amerikanischen Kürzeln. CDO, Bailout oder Tarp sickern in den Wortschatz ein. Die wichtigsten Begriffe der Krise haben wir aber inzwischen auch ins Deutsche übertragen. Die Kreditausfallversicherung zählt dabei zu den leichteren Übungen. Und wenn Amerikaner über "toxic assets" reden, sind diese kollabierten Anleihen für den hiesigen Übersetzer wahlweise toxisch, giftig oder kontaminiert.

Nicht griffig ist bisher der Bail-out für gefährdete Firmen. Gemeint ist, dass der Staat Banken oder Großunternehmen rauspaukt. Er muss einspringen, weil er sie vor der Pleite bewahren will. Rauspauken trifft es. Doch dürfte sich dieser Übersetzungsversuch wohl kaum durchsetzen. Immerhin wissen wir schon in bestem Deutsch, was die rausgepaukten Institute sind: systemrelevant.

Schwierig ist auch die Übersetzung für "dwarfed by". "Gezwergt" ist zwar ein gewagter Vorschlag - aber immerhin origineller als das langatmige "in den Schatten stellen". Worum es geht? In diesen Tagen eskaliert die Krise - wieder einmal. Bisherige Schadensschätzungen werden von aktuellen Bewertungen in den Schatten gestellt. Der Internationale Währungsfonds taxiert die globalen krisenbedingten Abschreibungen bei Finanzinstituten jetzt auf 4 100 Milliarden Dollar - also mehr als vier Mal so hoch wie noch vor einem Jahr. Fernsehzuschauer können sich deshalb auf viele weitere Erklärfilmchen einstellen.

Wer sich die Dinge mit bewegten Bildern erklären lassen möchte, der stöbert Online auf youtube.com. Liebhaber von Cartoons und Zeichentrick kommen hier voll auf ihre Kosten. Interessierte finden Kurzfilmchen unter "Finanzkrise" und ergänzenden Stichworten wie "Simpleshow" oder "Spiel". Amüsant ist der Streifen "Finanzkrise - Hab ich jetzt gewonnen?". Hier feiert das Gesellschaftsspiel Monopoly ein fröhliches Comeback.

Doch so witzig englische Abkürzungen, Übersetzungen oder Filmchen auch sein mögen: Aufheitern können sie Anleger wohl nur kurz. Den Anlegern dämmert allmählich, was da auf sie zukommt. Bei allem Unglück können sie sich mit ihrer typisch deutschen Risikoscheu noch gut aufgehoben fühlen. Ihre Depots sind weitgehend ungiftig.

Ein breit angelegter Schwenk hin zu Aktien wäre aber noch verwegen. Otto Normalanleger wird nämlich nicht rausgepaukt. Er hat keine Chance, wie in einem der Filmchen erklärt, bei einer privaten Pleite wegen gestürzter Wertpapiere so gut dazustehen wie eine Bank in Insolvenzgefahr. Der Einzelne ist nicht systemrelevant. Er darf scheitern, dem Institut gibt der Staat - und damit der Steuerzahler.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%