Bulle & Bär
Börsianer haben eine schöne Bescherung

Da ist sie wieder, die jährliche Hektik beim Weihnachts-Shopping. In den Einkaufszentren herrscht Gedränge. Viele blasse Gesichter darunter, die unruhig nach den passenden Ideen für Geschenke suchen. Da haben es die Börsianer in diesem Jahr einfach.

FRANKFURT. Ihnen steht eine schöne Bescherung ins Haus. Sie haben ihre Präsente schon so gut wie sicher. Daran werden auch die letzten Handelstage nichts ändern.

Fast scheint es, als seien die Debatten der vergangenen Jahre um schrumpfende Erträge an den Kapitalmärkten Kinderphantasien entsprungen, angesiedelt in den Welten irgendwo zwischen Harry Potter und Narnia. Seltsam entrückt erscheinen die Prognosen renommierter Börsengurus und Analysten. Super-Investor Warren Buffett war nur einer von ihnen. Maximal einstellige Jahresrenditen stellten handverlesene Experten in Aussicht – und das auf sehr lange Zeit.

Die Wirklichkeit sieht bislang anders aus. Beim Bilanzieren des Kalenderjahres wird es heißen: Größtes Problem war das Erspähen verlustreicher Investitionen – denn die waren kaum zu finden. Staatsanleihen spülen immerhin noch mehr als fünf Prozent in die Kassen, Kursveränderungen und Kuponeinnahmen addiert. Mutige Anleger kauften Risikobonds und werden damit über 20 Prozent Plus verbuchen. Auf der Aktienseite ist sogar mehr zu holen. Hier laufen die Durchschnittsergebnisse eher Richtung 30 Prozent. Das ist nicht das Ende der Fahnenstange, denn spezielle Aktiensegmente und Rohstoffwerte liegen darüber.

Da gleichen die Bilder an der Börse denen aus Kinderfilmen. Am Ende siegt der Mutige. Mutig war, wer trotz aller Unkenrufe einer Wende bei den Kapitalmarktrenditen weiter Wertpapiere kaufte. Aktien als risikobehaftetes Investment haben Anleihen geschlagen. Verlierer sind die Zaghaften, die mit Immobilien oder Geldmarktanlagen auf Nummer sicher gehen wollten. Das Ziel ist zwar erreicht, aber auf Kosten geringer Erträge.

Im kommenden Jahr werden die Karten neu gemischt. Die Bilanz 2006 wird anders ausfallen als die anstehende. Doch auch sie ist gut für einige Überraschungen. Eine Prognose sei an dieser Stelle gewagt: Rohstoffe bleiben erste Wahl, wobei Edelmetalle den Energiesektor überholen, klassische Aktieninvestments werfen im Zuge der (nun doch) eintretenden Zinswende höchstens noch minimale Gewinne ab, Anleihen bringen mit Glück positive Erträge. In der Unternehmenslandschaft machen einige große Adressen mit Pleiten Schlagzeilen.

Die erwähnten Gurus haben sich übrigens nicht deshalb disqualifiziert, weil die Börsen im laufenden Jahr die sehr niedrigen Erwartungen weit übertrafen. Eine Ära der Seitwärts- bis Abwärtsbörsen ist nur aufgeschoben. Börsianer werden sich daher aller Voraussicht nach bei künftigen Weihnachtsfeiern noch sehnsüchtig an die schöne Bescherung des Jahres 2005 erinnern.

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