Bulle und Bär
Börsianer sind gut gerüstet für den Sturm

Kein Zweifel: Die Stimmung ist verhagelt. Das belegen die fallenden Aktienkurse, der Einbruch des ZEW-Indikators und die Umfrageergebnisse des amerikanischen Investmenthauses Merrill Lynch unter professionellen Investoren. Für Anleger bedeutet das: Die Zeiten werden rauer, denn die Konjunktur verschlechtert sich. Aber: Börsianer sind darauf besser vorbereitet als auf frühere, vergleichbare Wendepunkte.

DÜSSELDORF. Seit Mai verlor der Dax gut zwölf Prozent an Wert. Monat für Monat beurteilen die vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) befragten Analysten und institutionellen Anleger die deutschen Konjunkturaussichten mit Blick auf die Situation in sechs Monaten pessimistischer. Jetzt, wo erstmals das Jahr 2007 in den Fokus rückte und damit die höhere Mehrwertsteuer, brach der Index regelrecht ein. Pessimistisch urteilen auch die 200 von Merrill Lynch befragten Fondsmanager. Fast drei Viertel der Profis – so viele wie nie – erwarten, dass sich das globale Wirtschaftswachstum bis zum nächsten Sommer abschwächt.

Der Grund: Der Nahost-Konflikt droht zu eskalieren und Öl weiter zu verteuern. Die US-Wirtschaft schwächt sich ab, wie sinkende Konsumausgaben und Immobilienpreise signalisieren. Die Firmengewinne steigen deutlich langsamer. Hinzu kommen weltweit anziehende Zinsen. Das verteuert Kredite und schmälert die Ausgabe -und Investitionsfreude der Verbraucher und Firmen.

Doch je häufiger und dramatischer Analysten und Investoren all diese Probleme benennen, desto besser bereitet sich die Börse auf die Zukunft vor. Das heißt zwar nicht, dass „alle schlechten Nachrichten in den Kursen enthalten sind“, wie Kommentatoren gern hervorheben, wenn die Kurse nach einer Hiobsbotschaft einbrechen. Schließlich kann niemand wissen, ob beispielsweise Iran als großes Ölförderland in den Nahost-Konflikt eingreift. Aber das enorm gestiegene Risikobewusstsein der Anleger signalisiert, dass sie sich auf schlechtere Zeiten einstellen. Sichtbar wird das auch an den hohen Bargeld-Positionen vieler Fondsmanager, die ihre Liquidität in Erwartung weiter fallender Aktienkurse bereit halten.

Sichtbar wird die geringe Nachfrage auch an der niedrigen Aktienbewertung. Europäische Anteilsscheine sind gemessen am Konzerngewinn um knapp ein Viertel preiswerter als im Durchschnitt der vergangenen 40 Jahre. Selbst bei einem Null-Wachstum der Firmengewinne im kommenden Jahr – womit niemand rechnet – wären Aktien noch preiswerter als im historischen Mittel.

All das sind bessere Voraussetzungen als zu Beginn vergangener Börsentalfahrten. In den 80ern, 90ern und im Jahr 2000 waren Aktien stets überbewertet, als die Kurse im Vorfeld einer Konjunkturabschwächung ihren Rückwärtsgang einlegten. Wenn die Börsen diesmal unterbewertet sind, schützt das zwar nicht vor Verlusten, begrenzt sie aber.

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