Bulle & Bär
Bonität deutscher Versorger sinkt

Die Anleihen deutscher Versorger sind nicht mehr so sicher wie früher. Aber obwohl die Bonität gesunken ist, müssen sich Anleger keine Sorgen machen. Die Ratings sind immer noch in Ordnung.
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FrankfurtJetzt ist es sozusagen amtlich: Die Anleihen deutscher Versorger sind nicht mehr so sicher wie früher. Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat RWE Ende vergangener Woche aus dem Kreis der mit Einfach-A bewerteten Schuldner gestrichen. Das Rating "BBB+" signalisiert jetzt nur noch eine mittlere Bonität.

Auch Eon bekam von S&P ein um eine Stufe schlechteres Rating, rangiert mit "A-" aber noch auf der unteren Stufe der Einfach-A-Schuldner. Außerdem zog S&P mit der Herabstufung nur nach; Moody's und Fitch - stufen Eon schon länger auf der untersten "A"-Stufe ein. In diesem Bereich liegen auch die Bonitätsnoten des dritten größeren deutschen Versorgers, nämlich Energie Baden-Württemberg (EnBW).

Vor einem Jahr hatten Eon und RWE noch bessere Ratings. Der nach der Katastrophe im japanische Fukushima in Deutschland beschlossene Atomausstieg bis zum Jahr 2022, die sofortige Stilllegung von acht Atomkraftwerken, die Investitionen in erneuerbare Energien sowie die Debatte um eine schärfere Regulierung der Konzerne belasten die Versorger jedoch.

Gerade für RWE ist ein Rating im Dreifach-B-Bereich zwar schmerzlich, weil nun die Gefahr besteht, dass die RWE-Tochter Supply & Trading höhere Sicherheiten im Handel mit Strom, Gas und Rohstoffen hinterlegen muss. Aber: Die Anleihen keines deutschen Versorgers spiegeln Ratingsorgen wider.

Im Gegenteil: Die Kurse der Versorgerbonds steigen seit über einem Jahr, und spiegelbildlich dazu sind die Renditen auf historische Tiefs gefallen. Im Zuge der Krise um die Euro-Südländer sind nicht nur die deutschen Staatsanleihen, sondern auch die aller deutschen Unternehmen mit guter Bonität gefallen - und dazu gehören eben trotz der Herabstufungen die Anleihen der Versorger.

Wer eine Anleihe mit sechs Jahren Restlaufzeit von RWE kauft, bekommt dafür eine magere Rendite von 1,7 Prozent, für eine vergleichbare Anleihe von EnBW gibt es 1,9 Prozent und für eine fünfjährige Anleihe von Eon 1,4 Prozent. Nach der S&P-Aktion am vergangenen Freitag stiegen die Renditen nur ganz leicht und auch nur kurz.

Was heißt das für Anleger? Zum einen, dass die Anleihen von Versorgern für Neueinsteiger nicht attraktiv sind. Die Bonds von RWE, Eon und EnBW werfen zwar mehr Rendite ab als zum Beispiel fünfjährige deutsche Staatsanleihen, die nur noch etwas mehr als 0,3 Prozent bringen. Aber wenn die Renditen der Bundesanleihen wieder anziehen, dürfte das die Renditen der Versorger gleich mit nach oben ziehen.

Auf der anderen Seite, müssen Anleger, die schon Bonds der Versorger im Depot haben, nicht bangen. Die Ratings sind immer noch in Ordnung, und die Konzerne sind auf gutem Weg mit dem Verkauf nicht-strategischer Unternehmensteile ihre Verschuldungskennzahlen wieder zu verbessern.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

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