Bulle & Bär
Bonuszertifikate: Vorsicht, Schwelle!

Für die Deutschen ist bei der Geldanlage Sicherheit Trumpf. Selbst in den Boomphasen der vergangenen Jahre haben die hiesigen Privatanleger zu großen Teilen vor Direktengagements in Aktien und auch vor Aktienfonds zurückgescheut und stattdessen vermeintlich sichere Anlageprodukte gekauft.

FRANKFURT. Am Fondsmarkt zeigt sich das an den Absatzerfolgen von Geldmarkt- und Garantieprodukten. Noch deutlicher wird die Risikoscheu, wenn man sich die Struktur des Zertifikatemarktes anschaut. Ein Drittel des Geschäftes entfällt hier auf Papiere mit Kapitalgarantie. Weitere 20 Prozent der rund 135 Mrd. Euro, die Anleger laut Derivate Forum in Zertifikate investiert haben, liegen in Bonus- und Teilschutzprodukten.

Gerade letztere bieten den Investoren aber - wie der Name schon sagt - nur einen begrenzten Schutz: Zwar zahlen Bonuszertifikate Anlegern am Ende der mehrjährigen Laufzeit einen festen Betrag. Diesen gibt es aber nur, wenn der Kurs des Basiswertes - meist eine Aktie oder ein Index - während dieser Zeit nie unter eine bei der Emission festgelegte Kursschwelle fällt. Andernfalls entfällt der Anspruch auf den Bonus, und der Anleger erhält am Laufzeitende den aktuellen Kurs des Basiswertes multipliziert mit dem Bezugsverhältnis.

Da die Kursschwellen der meisten Bonuszertifikate mindestens 20 bis 25 Prozent unter dem Emissionskurs liegen, haben die Produkte im Bullenmarkt der vergangenen Jahre ihr Sicherheitsversprechen problemlos erfüllt. Und auch in der jüngsten Korrektur kam es nach Berechnungen des Derivate Forums nur bei 3,5 Prozent der Papiere - überwiegend Produkte auf volatilere Einzelaktien - zu einem "Schwellenereignis".

Für sich genommen ist das ein gutes Ergebnis. Anleger sollten aber beachten, dass sich zahlreiche Bonuspapiere ihrer Schwelle trotzdem bedrohlich genähert haben. Sollte es an den Börsen weitere Rückschläge geben, könnte sich der Anteil der Schwellenereignisse zügig erhöhen.

Das wirft die Frage auf, wie sich Anleger verhalten sollen, deren Zertifikate sich in die Nähe der Schwelle bewegen. Ein Aussitzen erscheint allenfalls bei Papieren mit sehr kurzer Restlaufzeit die richtige Strategie. Bei allen anderen Bonuszertifikaten sollten Anleger über einen Verkauf nachdenken, selbst wenn sie damit Verluste erleiden. Denn ist die Schwelle einmal gerissen, ist die Wette gescheitert: Der Anspruch auf den Bonus ist hinfällig, das Risiko ist das gleiche wie das einer Direktinvestition in den Basiswert und die Dividende behält der Emittent auch noch ein.

Natürlich besteht auch nach einem Schwellenereignis die Chance, dass sich der Basiswert und damit das Bonuszertifikat in der Folgezeit wieder erholt. Für Optimisten ist die Direktanlage in eine Aktie oder ein Indexpapier in diesem Fall aber die bessere Wahl. Und für Skeptiker, die auf einen Sicherheitspuffer nicht verzichten wollen, ist ein neues Zertifikat mit tieferen Kursschwellen sicher die entspanntere Variante.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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