Bulle & Bär
Borussia Dortmund: Ewiger Hoffnungswert

Mit der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA ist es ein bisschen so wie mit der Mannschaft: Mit hohen Ambitionen gestartet, enttäuschen AG wie Elf seit dem Börsengang am 31. Oktober 2000 regelmäßig das Vertrauen von Anlegern und Fans.

BERLIN. Vergangenen Herbst auf der Anlegermesse DKM in Dortmund sollte Thomas Doll so etwas wie ein Stargast sein. Auf einem Podium befragte ihn der Moderator, ob er denn wisse, wie sich die Aktie von Borussia Dortmund seit seinem Amtsantritt entwickelt habe? "Keine Ahnung", sagte der Trainer der Dortmunder. Ob er denn überhaupt Aktien habe? "Nein." Würde er denn welche kaufen? "Ja!"

Nun ist nicht überliefert, ob sich Doll tatsächlich mit Anteilsscheinen eingedeckt hat. Mit seinem Optimismus aber lag er falsch. Zwar sprang der Kurs vergangenen Mittwoch nach dem Erreichen des Pokalfinales bis auf 1,96 Euro, am Dienstag aber notierte das Papier wieder bei 1,57 Euro - noch unter dem Stand vom Herbst 2007.

Mit der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA ist es ein bisschen so wie mit der Mannschaft. Mit hohen Ambitionen gestartet, enttäuschen AG wie Elf seit dem Börsengang am 31. Oktober 2000 regelmäßig das Vertrauen von Anlegern und Fans. Eine Aktie kostete damals elf Euro. Drei Jahre zuvor hatten die Dortmunder die Champions League und den Weltpokal gewonnen. Zwei Jahre später erspielten sie sich ihren letzten, ihren sechsten Meistertitel. Erfolge, die der Verein im Geschäftsjahr 2004/2005 fast mit der Insolvenz bezahlte, als er einen Fehlbetrag von 78,7 Mill. Euro ausweisen musste.

Zuletzt sackte der Kurs deswegen bis auf 1,37 Euro. Auch, weil der einstige Großaktionär Florian Homm seinen 13-prozentigen Anteil auf den Markt warf. Aber auch, weil die Borussia im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2007/2008 wieder in die roten Zahlen gerutscht ist. Einen Fehlbetrag von 5,9 Mill. Euro hat das Unternehmen Anfang März bekanntgegeben. Dabei hatte doch BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke für die laufende Spielzeit schwarze Zahlen garantiert. "Wir werden die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen", hatte er versprochen.

Die Mehreinnahmen von zwei Millionen aus dem Pokalfinale hat die Börse jedenfalls schon eingepreist. Ebenso das wahrscheinliche Erreichen des Uefa-Pokals. Deshalb bleibt zu hoffen, dass Thomas Doll ein langfristig orientierter Anleger ist, schließlich hat er seinen Vertrag kürzlich erst bis 2010 verlängert. Dann läuft Dortmunds Knebelvertrag für die Vermarktung mit der Agentur Sportfive aus. Und im kommenden Jahr soll ein neuer Ausrüstervertrag acht bis zehn Mill. Euro mehr bringen. Eingeplant hat Watzke jedoch auch zusätzliche Einnahmen von 10 Mill. Euro aus der TV-Vermarktung mit der Kirch-Tochter Sirius - die aber noch unter dem Vorbehalt der Kartellamtsgenehmigung steht.

Angesichts dieser Unwägbarkeiten scheint dann eher die Einschätzung von Finanzminister Peer Steinbrück zutreffend. Auf die Frage, ob er BVB-Aktien kaufen würde, antwortete er: "Bei allem Respekt vor der Konsequenz und dem Erfolg, wie der Geschäftsführer Watzke den Verein saniert - diejenigen, die solche Aktien kaufen, tun das doch eher aus Sympathiebekundung."

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