Bulle und Bär
Bric und die nächsten elf

Die Buchstabenkombination Bric hat sich an den Finanzmärkten in den letzten Jahren fest etabliert. Ist heute von Schwellenländern die Rede, wird die Gruppe der Mega-Märkte Brasilien, Russland, Indien und China meist zuvorderst genannt. Und das mit Recht.

FRANKFURT. 2007 erzielten die Bric-Staaten in Summe wieder ein beeindruckendes Kurswachstum, allen voran die chinesischen Börsen mit gut 160 Prozent.

Aber auch abseits der Bric-Staaten haben sich 2007 eine ganze Reihe von Schwellenländer-Börsen blendend entwickelt. Das gilt auch für die so genannten Next-Eleven-Staaten. Unter diesem Begriff hat Goldman-Sachs-Chefvolkswirt Jim O?Neill elf Länder zusammengefasst, denen er eine ähnliche Wachstumsdynamik zutraut wie den vier großen Vorbildern. Weil O?Neill eine große Bevölkerung als entscheidendes Kriterium sieht, ist die Gruppe sehr heterogen und reicht von etablierten Volkswirtschaften wie Südkorea und Mexiko über die Türkei und Ägypten, die asiatischen Hoffnungsträger Pakistan, Indonesien, Philippinen und Vietnam bis hin zu Ländern wie Bangladesch, Nigeria und den Iran. Länder, die man in puncto Geldanlage bisher sicher nicht auf der Liste hatte.

Doch ein Blick auf die Börsenbilanz 2007 zeigt, dass die Chancen in diesen Ländern groß sind. Sämtliche Next-Eleven-Börsen schlossen 2007 mit deutlichen Kursgewinnen ab. Und unter den Top 20 der 90 weltweit wichtigsten Börsenindizes, die der Datenanbieter Bloomberg beobachtet, finden sich gleich sechs Aktienbarometer aus Next-Eleven-Staaten, allen voran Nigeria und Bangladesch.

Von Daten der Vergangenheit sollten sich Anleger zwar nicht blenden lassen. Zeigen doch die aktuellen politischen Unruhen und die darauf folgenden Kursverluste in Pakistan wie schnell sich das Bild in aufstrebenden Schwellenländern drehen kann, zumal die Gruppe der "nächsten elf" eine Reihe weiterer politischer Wackelkandidaten umfasst.

Jedoch wird das erhöhte Risiko den Investoren mit einer ebenfalls üppigen Renditechance versüßt. Für Privatanleger, die einem kleinen Risiko nicht abgeneigt sind und einen Flop verkraften könnten, spricht daher nichts dagegen, einen Teil ihres Geldes in exotischen Märkten wie den Next-Eleven zu investieren. Allerdings sollte dieser Anteil einen einstelligen Prozentsatz des Vermögens nicht übersteigen. Zudem scheiden direkte Aktienkäufe an den lokalen Börsen wegen des schwierigen Zugangs und der gewaltigen Gefahren von Einzeltiteln praktisch aus.

Abhilfe schaffen Fonds und Zertifikate. Einige Manager von Schwellenländerfonds trauen sich in ihren Produkten durchaus, auch kleinere Märkte wie die Next-Eleven höher zu gewichten. Und die Zertifikate-Emittenten haben sogar Papiere im Sortiment, die gezielt auf die elf Länder setzen. Allerdings sollten Anleger die einzelnen Produkte vor dem Kauf gut vergleichen. Grundsätzlich gilt die Regel: Je breiter das investierte Geld auf verschiedene Länder und Aktien gestreut ist, desto geringer ist das Risiko.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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