Bulle & Bär
Britisches Pfund in gefährlichen Kurshöhen

Auferstanden aus Ruinen, so könnte man etwas despektierlich das Schicksal des britischen Pfundes beschreiben. 1992 drängten Spekulanten wie der Hedge-Fonds- Pionier George Soros das Pfund rüde aus dem europäischen Währungssystem. 14 lange Jahre dauerte es, bis sich die einst so stolze britische Devise vollständig von diesem Schock erholte.

LONDON. Nach einem rasanten Höhenflug seit Mitte November ist das Pfund heute wieder 1,96 Dollar wert, und viele Volkswirte glauben, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis die Marke von zwei Dollar fällt.

Die Gründe für die Stärke des Sterlings liegen auf der Hand. Die britische Wirtschaft brummt nach wie vor. So wie es aussieht, stehen im kommenden Jahr weitere Zinserhöhungen der Bank of England an. Außerdem fand 2006 eine Art Ausverkauf britischer Unternehmen an ausländische Investoren statt. Der Preis für die Übernahmen im Wert von vielen Milliarden wird in Pfund fällig und das treibt die Währung zusätzlich.

Die wiedergewonnene Stärke des Sterlings macht die Briten aber nicht stolz, im Gegenteil, sie treibt die Sorgenfalten auf die Stirn vieler Investoren., weil mit jedem Kursanstieg die Wettbewerbsfähigkeit der britischen Exporteure sinkt. Das ist ein wichtiger Grund dafür, dass der Londoner Aktienindex FTSE 100 in den vergangenen Wochen fast parallel zum Höhenflug des Pfundes unter Druck geriet.

Diese Sorgen dürften allerdings übertrieben sein. Nur 15 Prozent der britischen Ausfuhren gehen in die Vereinigten Staaten, mindestens dreimal so hoch fallen die Exporte nach Kontinentaleuropa aus, und gegenüber dem Euro hat das Pfund bei weitem nicht so stark an Wert gewonnen.

Aber der eigentliche Grund für die Stärke der britischen Währung ist die Schwäche des amerikanischen Dollars. Und die Furcht der Anleger vor diesem Phänomen ist berechtigt. Viele Volkswirte warnen inzwischen vor einer Rezession in den Vereinigten Staaten. Einige entwerfen wahrhaft apokalyptische Szenarien, in denen ein Absturz der US-Ökonomie und ein ungebremster Kursrutsch des Dollars die gesamte Weltwirtschaft destabilisiert.

Diese Gefahr ist nicht auszuschließen, tatsächlich aber wäre eine kontrollierte Abwertung der US-Währung durchaus im Interesse der Briten – und im Interesse des Rests der Welt. Ein schwächerer US-Dollar macht es Amerika leichter, mehr zu exportieren und dämpft die Importe. Er kann damit helfen, gefährliche globale Ungleichgewichte auszugleichen und die Folgen einer empfindlichen Abkühlung der amerikanischen Binnenwirtschaft abfedern.

Die kontinentaleuropäischen und die britischen Exporteure bezahlen für diese Korrektur natürlich einen Preis in Form von sinkender Wettbewerbsfähigkeit. Das schmerzt und wird auch in Zukunft auf den Aktienkursen lasten. Aber die Alternative wäre deutlich schlimmer.

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