Bulle & Bär
China-Aktien: Da kommt noch was

Seitdem die Olympische Flamme in Peking brennt, erinnert sich der eine oder andere Börsianer wieder daran, dass es im vergangenen Jahr einige Börsengänge chinesischer Unternehmen in Deutschland gab. Jetzt sollen im Herbst Marktgerüchten zufolge zwei weitere Kandidaten antreten. Ein größerer und ein etwas kleinerer.

FRANKFURT. Seitdem die Olympische Flamme in Peking brennt, erinnert sich der eine oder andere Börsianer wieder daran, dass es im vergangenen Jahr auch einige Börsengänge chinesischer Unternehmen in Deutschland gab. Zhong De hieß der erfolgreiche Premierenkandidat, der mit dem zufließenden Kapital Müllheizkraftwerke im Reich der Mitte bauen wollte. Asian Bamboo, der Vermarkter von Bambus als Nahrungsmittel und Baumaterial, folgte etwas weniger erfolgreich gleich hinterher. Und Vtion, ein Telekomunternehmen, das den Chinesen den Internet-Zugang über Funkstecker nahebringen wollte und auf diesem Markt schon über reichlich Anteile verfügte, war anschließend schon nicht mehr bei Investoren zu platzieren.

Nun sollen Marktgerüchten zufolge im Herbst mindestens zwei weitere Kandidaten aus China ihr Glück am deutschen Aktienmarkt versuchen. Ein größerer und ein etwas kleinerer - beide von namhaften deutschen Banken unterstützt. Die Chancen, dass dieser Versuch besser gelingt als der im Herbst vergangenen Jahres abgesagte Börsengang von Vtion stehen gut.

Dafür spricht zuerst, dass die beiden bisher hier gelisteten China-Aktien die Zahlen geliefert haben, die von ihnen erwartet wurden. Dass beide dabei dennoch unter ihrem Ausgabepreis notieren, mag den deutlichen gefallenen Märkten geschuldet sein. Zhong De liegt allerdings nur knapp unter Verkaufspreis. Asian Bamboo hat zwar weitaus mehr verloren, gilt inzwischen aber als derart unterbewertet, dass zumindest kaum Schlimmeres zu erwarten ist.

Für China-Aktien spricht auch, dass nach der anfänglichen Euphorie um den Börsengang von Zhong De der Zuspruch in Deutschland schnell verebbt ist. Das hat den Vorteil, dass die begleitenden Banken bei der Auswahl der nächsten Kandidaten weit vorsichtiger sein werden als sie es vielleicht gewesen wären, wenn diese Papiere zum Selbstläufer geworden wären.

Denn dass die Unternehmenslandschaft in China genügend gute, aufstrebende und seriöse Kandidaten hergibt, die nicht nur in London und New York ihr Börsenglück suchen, sondern auch in Frankfurt, das steht außer Frage. Nicht zu Unrecht rühren die Deutsche Börse und mit ihr einige Banken weiterhin kräftig die Werbetrommel.

Nun müssen die chinesischen Börsenkandidaten nur noch ein Grundgerüst an mitteleuropäischen Börsengepflogenheiten hinbekommen. Dass beispielsweise von den Neulingen des vergangenen Jahres kein einziger Vorstandschef zumindest englisch sprach, ist ein Unding. Auch dass Telefonkonferenzen zu Quartalszahlen am anderen Ende der Leitung zu oft minutenlanger hektischer Betriebsamkeit führten, sobald Analysten oder Investoren nach einer Zahl im Geschäftsbericht fragten, ist kein Ruhmesblatt. Wenn jedoch beide Mentalitäten künftig einen Schritt aufeinander zugehen, dann kommt wohl bald einiges auf uns zu.

schnell@handelsblatt.com

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