Bulle & Bär
China-Aktien: Rückkehr zur Realität

Überraschend kam die Meldung gestern nicht, dass die chinesische Vtion Wireless Technology ihren für Ende November angekündigten Börsengang im Frankfurter Prime Standard auf Anfang des kommenden Jahres verschiebt. Zu sehr hat die Skepsis gegenüber allzu spekulativen Werten zuletzt zugenommen.

FRANKFURT. Bei deutschen und europäischen Anlegern setzt sich nach den Turbulenzen der letzten Tage die Erkenntnis durch, dass es sich bei chinesischen Börsenneulingen trotz aller damit verbundenen Chancen um Investments mit erhöhtem Risiko handelt.

Das Ausmaß der Veränderung dokumentiert die Entwicklung in nicht einmal einem halben Jahr. Als der Debütant Zhong De zur Jahresmitte in Frankfurt an der Börse startete, war die gesamte Investorenschar begeistert von deren Müllheizkraftwerken und den enormen Marktchancen, die diese wohl innerhalb des riesigen Industrialisierungsprozesses im Reich der Mitte haben werden. Hinzu kam die für hiesige Verhältnisse unglaubliche Gewinnmarge von 59 Prozent, schließlich zahlt die Firma im laufenden Jahr keine Steuern. Noch heute notiert die Aktie gut 25 Prozent über dem Ausgabepreis von 26 Euro.

Damit ist Zhong De aber ein Einzelfall. Der Bambus-Produzent Asian Bamboo, der erst vor knapp zwei Wochen an die Börse ging und dabei 15-fach überzeichnet war, notiert heute drei Prozent unter seinem Ausgabepreis. Und der Handyschalen-Hersteller Greater China Precision Components, der allerdings nur in den schwach reglementierten Entry Standard ging, hat innerhalb weniger Wochen sogar 40 Prozent an Wert verloren.

Dass Vtion jetzt der erste Börsenkandidat aus China ist, dem die Investoren hierzulande nicht mehr beinahe devot zu Füßen liegen, ist nach den Erfahrungen der letzten Monate nachzuvollziehen. Zwar präsentierten alle Unternehmen eine hochinteressante Story im größten Wachstumsmarkt der Welt. Doch waren sie mit einem Jahresumsatz zwischen zehn bis 13 Millionen Euro und 200 bis 300 Mitarbeitern verschwindend klein im Vergleich zu dem, was das Milliardenvolk sonst zu bieten hat. Ihre Geschäfte machen die Börsenneulinge meist im eigenen Land, nennenswerte Mengen werden nur in Nachbarländer exportiert.

Hinzu kommen hausgemachte Probleme. Zwar sind alle im deutschen Prime Standard gelisteten chinesischen Firmen Aktiengesellschaften nach deutschem Recht. Im Fall der Vtion Wireless Technology AG ist deren Unternehmensgegenstand laut Börsenprospekt jedoch der Geschäftsbetrieb als Holding der Vtion Technology (China) Co., Ltd. auf den britischen Jungferninseln. Da hören deutsche Investoren dann schon zweimal hin.

Zumal, wenn sie das, was sie zu hören bekommen, nicht verstehen. Die Vorstandschefs aller chinesischen Unternehmen, die sich bislang in Frankfurt vorstellten, sprachen kein Englisch, sondern mussten sich ihre Ausführungen mühevoll übersetzen lassen.

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