Bulle & Bär
China und die Blase

Für die Chinesen gibt es kein Halten mehr. Bei ihrem friedlichen Feldzug erobern sie die Rohstoffmärkte, treiben die Preise an den Märkten für Kunst, Immobilien und Aktien in schwindelerregende Höhen. Jüngstes Beispiel ist die aktuelle Kunstauktion von Christie?s in Hongkong.

HB FRANKFURT. Während die Preise für westliche Kunst schwächeln, legen Sammler für asiatische Werke exorbitante Summen auf den Tisch. Schon am ersten Tag des Auktionsmarathons für zeitgenössische chinesische Kunst gingen die auf maximal 25 Millionen Dollar geschätzten Werke für einen dreistelligen Millionenbetrag weg.

An den Finanzmärkten läuft eine ähnliche Erfolgsstory bereits so lange, dass Fachleute warnen. In den vergangenen zwei Jahren haben sich die Kurse an der inländischen Aktienbörse in Schanghai in der Spitze versechsfacht. An dem auch für Ausländer zugänglichen Markt Hongkong reichte es noch für eine Verdopplung. Entsprechend schossen die Bewertungen in die Höhe. Schanghai hat sich mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von fast 50 von gewohnten Maßstäben verabschiedet. Da ist Hongkong mit einem Wert knapp 20 vergleichsweise preiswert geblieben.

Viele Analysten halten den Boom mittlerweile für überzogen. Aktienexperten wie Klaus Kaldemorgen von der DWS wittern eine Blase. Auch der bekannte Vermögensverwalter Marc Faber rät von Käufen ab. Seiner Ansicht nach werden chinesische Aktien noch vor den Olympischen Sommerspielen 2008 im Riesenreich ihre Höchststände gesehen haben. Tatsächlich liegen die Notierungen bereits ein Fünftel unter ihrem Allzeithoch - die amerikanische Finanzkrise lässt grüßen. Dennoch können Boomperioden länger anhalten als erwartet. Das räumt auch Faber ein. Er verweist auf ähnliche Fälle in der asiatischen Vergangenheit, insbesondere auf einen der spektakulärsten Aufschwünge der Neuzeit: jenen in Taiwan.

Ende der 80er Jahre waren die Aktienkurse auf der China vorgelagerten Insel mehr als 20 mal so teuer wie in der ersten Hälfte des Jahrzehnts. Im Top-Jahr 1989 lag das Umsatzvolumen sechs Mal höher als die Börsenbewertung, in China erreicht diese Quote derzeit nur 0,4 Prozent. Am Ende der Hausse hatte fast jeder vierte Taiwaner ein Wertpapierdepot. Gemessen daran besitzt die Chinabörse noch Potenzial. Trotz der Welle an Depoteröffnungen hat bisher nur jeder zehnte Chinese ein solches Konto.

Auch die wichtigste Bewertungskennziffer ist vom taiwanischen Blasenniveau noch entfernt. Zum Höhepunkt der Hausse wurden die Aktien auf der Insel mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 100 bezahlt. Wer entgegen der Mehrheitsmeinung pro China gestimmt ist, dem liefert der Blick Richtung Westen und dort auf die Internetblase noch bessere Argumente. Mit welcher Bewertung wurden im März 2000 Aktien an der Technologiebörse Nasdaq gehandelt? Antwort: mit 200. Gemessen daran können verunsicherte China-Fans aufatmen.

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