Bulle & Bär
Chinas Reserven: Segen und Fluch

1  000  000  000  000 Dollar – so hoch sind Chinas Währungsreserven. Eine Billion, von denen das Land über 70 Prozent in US-Anlagen investiert hat. Doch beide Parteien sind damit nicht glücklich.

Es ist eine magische Zahl: Die Eins mit zwölf Nullen. Auf mehr als eine Billion Dollar sind die chinesischen Währungsreserven jetzt angewachsen. Wohin damit? Bis heute haben die Chinesen über 70 Prozent ihrer Währungsreserven in US-Anlagen gesteckt, vor allem in Anleihen. Von breiter Streuung, wie sie in Finanzlehrbüchern stets gepredigt wird, kann da keine Rede mehr sein.

Und das Problem wächst in einem atemberaubenden Tempo. Jeden Monat kommen dank des Handelsbilanzüberschusses mit den Amerikanern 15 bis 20 Mrd. Dollar obendrauf. Der Kombipack aus produktionsdynamischen Asiaten und konsumbesessenen Amerikanern ist für beide Seiten Segen und Fluch zugleich. Fluch deshalb, weil sich die Länder in eine wachsende gegenseitige Abhängigkeit hineinmanövrieren. Vor mehr als drei Jahrzehnten steckten noch 95 Prozent der Reserven in Gold.

Am Dollarüberhang entzünden sich denn auch die Spekulationen. Werden die Chinesen in andere Währungen umschichten, vielleicht sogar in größerem Maße Gold kaufen? In früheren Jahren steckten 95 Prozent der Gelder im Metall. Heute sind es magere 1,3 Prozent. Selbst Länder wie Nepal oder Mosambik haben höhere Goldquoten an ihren Währungsreserven. Von den EU-Staaten mit mehr als einem Viertel oder gar den Vereinigten Staaten mit drei Vierteln ganz zu schweigen. China wird sich hier bewegen, so viel ist klar. Chinas Zentralbankchef hat angekündigt, das Geld breiter zu investieren. Auch der Aufbau einer strategischen Rohstoffreserve ist im Gespräch.

Manche meinungsfreudigen Vermögensverwalter sehen die Chinesen schon auf bestem Wege, den Goldmarkt zu „cornern“ – das heißt, durch Käufe den Preis nach oben zu treiben. Ganz ähnlich hatten die Brüder Hunt vor zweieinhalb Jahrzehnten mit ihren Orders den Silberpreis in astronomische Höhen geschickt. Ein Gold-Corner erscheint heute unrealistisch. Die Chinesen sind zwar an ausgewogeneren Verhältnissen interessiert. Aber sie sind wie siamesische Zwillinge über den Dollar-Kreislauf mit den Amerikanern verbunden.

Deshalb können sie weder ihre Goldbestände einfach verdoppeln oder sogar vervierfachen, wie es Stimmen aus China fordern, noch stärker in andere Währungen umschichten. Denn im ersten Fall würde der Metallpreis deutlich steigen, im zweiten Fall der Dollar kollabieren, was den Goldpreis – als Alternativwährung zum Dollar – auch wieder treiben würde. Am Ende hätten sich die Chinesen zwei- oder gar dreistellige Milliardenverluste eingehandelt.

So weit wird es kaum kommen. Die Chinesen haben Zeit. Es reicht, wenn sie jeden Monat Teile des Handelsbilanzüberschusses in Vermögenswerte außerhalb des Dollarraums lenken. Das ist kein gutes Vorzeichen für den Greenback – und spricht für Vorsicht bei dollargebundenen Anlagen.

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