Bulle & Bär: Coca-Cola statt China Mobile

Bulle & Bär
Coca-Cola statt China Mobile

Allmählich wird die Luft dünner für Emerging-Markets-Investoren. Allein seit Jahresbeginn pumpten Anleger weltweit umgerechnet rund 500 Millionen Euro in Aktienfonds mit dem Anlageschwerpunkt Schwellenländer. Pro Tag, wohlgemerkt. Hält der Zufluss im gleichen Tempo an, dürften die Fonds bis Ende Februar netto bereits mehr frische Gelder eingesammelt haben als im Gesamtjahr 2005.

FRANKFURT/M. Statt nun via Fonds unterbewerteten chinesischen Öltiteln nachzujagen, sollten vorsichtige Anleger lieber einen Blick vor die Haustür werfen. Genauer gesagt auf Konsumwerte aus den Industrieländern. Sie sind die elegantere und weniger riskante Weg, vom hohen Wirtschaftswachstum von Ländern wie China, Indien oder Brasilien zu profitieren. Schließlich entfällt in Zeiten wirtschaftlichen Wachstums über die Jahre ein immer größerer Anteil des frei verfügbaren Einkommens auf den Konsum.

Während die Volkswirtschaften der Schwellenländer nach Schätzungen von Credit Suisse First Boston in den kommenden Jahre um im Schnitt vier bis fünf Prozent pro Jahr wachsen werden, klettert der private Konsum um neun bis zehn Prozent pro Jahr. Schon heute erwirtschaftet Coca-Cola – einst der Prototyp eines US-amerikanischen Blue Chips – 36 Prozent seines Umsatzes in Schwellenländern.

Noch stärker als der Softdrinkhersteller setzen Brauereien auf die Chancen der Globalisierung. So erzielt etwa der niederländische Konzern Heineken 38 Prozent seiner weltweiten Umsätze in Schwellenländern, Konkurrent Inbev gar 45 Prozent, Tendenz steigend. Inbev setzte mit elf Beteiligungen schon früh auf den Durst der Chinesen, die absolut mit rund 25 Milliarden Liter pro Jahr mehr konsumieren als jedes andere Land der Welt und zugleich einen der am schnellsten wachsendem Biermärkte der Welt sind

Konkurrent Heineken hofft vor allem auf den Bierdurst in Osteuropa. Von den Brauern ist Inbev mit einem für 2006 erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 17 der teurere und Heineken mit einem KGV von 15 der Nachzügler. Für beide Konzerne spricht zudem, dass Konsumenten in Schwellenländern noch stärker auf Markennamen achten als die Käufer in Industrieländern.

Letzteres könnte langfristig vor allem den Luxusgüterherstellern unter den Konsumtiteln zugute kommen. Richemont, Bulgari und LVMH erzielen inzwischen mehr als ein Fünftel ihrer Erlöse in Schwellenländern. Nach einer Studie von Ernst & Young könnte China binnen zehn Jahren zum weltgrößten Absatzmarkt für Luxusgüter aufsteigen. Der Pluspunkt der Luxusgüterhersteller: Sie erzielen bei einer aktuell vergleichbaren Bewertung traditionell höhere Gewinnmargen als Nahrungsmittelhersteller und profitieren von den immensen Vermögenseffekten, die das Wirtschaftswachstum der Schwellenländer für lokale Konsumenten hat.

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