BULLE & BÄR
Comeback des Risikos

Was ist genauso wenig haltbar wie die hohen Niveaus an allen Märkten für Vermögenswerte? Antwort: die niedrige Vola. Eingefleischte Börsianer lieben dieses Kürzel für Volatilität. Dahinter verbirgt sich nichts Geheimnisvolles. Es ist schlicht ein Maß für die Schwankungsstärke von Preisen und Kursen – und ein Top-Thema.

Bis vor einer Woche spekulierten Fachleute, wann denn nun die Ära der historisch niedrigen Volatilität an den Wertpapier- und Devisenmärkten zu Ende gehe. Und insbesondere die Aktienbörsen zogen den Blick auf sich. Zeiten niedriger Schwankungen waren nie längerfristig haltbar. Insbesondere wurden sie regelmäßig von starken Bewegungen abgelöst. Jetzt kommt die wichtige Botschaft für Anleger: Auf dem Weg zur Normalisierung der Schwankungsstärken sacken die Kurse fast immer ab. Das hat Ed Easterling von der Analysefirma Crestmont Research ausgerechnet.

Die aktuellen Bewegungen lassen vermuten, dass die Rückorientierung der Märkte zu höheren Volatilitäten nun begonnen hat – per saldo dürften die Kurse dabei nach unten gehen. Das deuten die jüngsten Abschläge an den Aktienmärkten an. Besonders kräftig verloren die Schwellenbörsen. Auch die Währungen vieler Emerging Markets sackten massiv durch. Bei den Rohstoffen ging der Daumen ebenfalls nach unten. Diese kurzfristigen Entwicklungen passen zur Einschätzung einiger Profis wie der des bekannten Hongkonger Verwalters Marc Faber: Alle Vermögensformen seien überbewertet und korrekturanfällig, längerfristig gefährdet seien die Aktien- und Anleihemärkte; Rohstoffe böten noch die besten Potenziale in diesem unerfreulichen Szenario.

Die Anleger müssen sich warm anziehen. Verluste schmerzen noch mehr, wenn man vorher auf satten Gewinnen gesessen hat. Und das Geld flossen während der vergangenen Jahre vor allem in Schwellenländer. Emerging Markets hatten dank enormer Wachstumsraten den größten Charme und belohnten mutige Investoren mit enormen Erträgen. Das galt in abgeschwächter Form auch für die Börsen der Industrieländer, wo immer noch der Großteil des weltweiten Aktienkapitals steckt.

Jetzt könnten nach drei üppigen Jahren einige magere Jahre ins Haus stehen – begleitet von heftigen Schwankungen. Und größere Unsicherheit an den Kapitalmärkten muss längerfristig kein Kaufargument für Anleihen sein. Höchstens in einer Übergangsphase würden verschreckte Börsianer Festverzinsliche als Hort der Sicherheit wieder entdecken. Auf längere Sicht steht das Sicherheitsargument für Bonds auf wackeligen Füssen, denn eine rasant steigende Verschuldung in Verbindung mit steigender Inflation wird ihren Tribut fordern und auch hier die Kurse belasten.

Das Jahr 2006 dürfte aus diesen Gründen mit einer besonderen Überschrift in die Börsen-Annalen eingehen: Comeback des Risikos.

narat@handelsblatt.com

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