Bulle & Bär
Daimler-Chrysler-Anleihen: Nur Hoffnungswerte

Ziemlich mittelmßig waren die Ratings der Kreditwürdigkeit des Autobauers Daimler-Chrysler in letzter Zeit. Auslöser war eine Gewinnwarnung angesichts der Probleme bei Chrysler. Wann und ob sich der möglich Chrysler-Verkauf positiv auf die Ratings auswirkt, ist aber noch offen.

FRANKFURT. Bodo Uebber ist ein Mann mit Visionen. Vor knapp einem Jahr erklärte der Finanzvorstand von Daimler-Chrysler, dass der Konzern anstrebe, von den Ratingagenturen Bonitätsnoten im Bereich Single-A – als Zeichen für hohe Kreditwürdigkeit – zu bekommen. Uebber ist aber auch Realist. Denn er sagte gleichzeitig, dass es vermessen sei, kurzfristig an bessere Ratings zu glauben.

Wohl wahr, denn damals hatte Daimler-Chrysler zumindest von der Ratingagentur Moody’s das Rating „A3“. Standard & Poor’s und Fitch bewerteten die Kreditwürdigkeit des Autokonzerns dagegen schon damals mit dem zwei respektive eine Stufe schlechteren Rating „BBB“ und „BBB+“. Wenige Monate später senkte aber auch Moody’s den Daumen und bewertete den Konzern nur noch mit „Baa1“. Auslöser war eine Gewinnwarnung angesichts der Probleme bei Chrysler.

Jetzt will sich der Konzern wahrscheinlich von der schwächelnden Chrysler-Gruppe trennen und spricht mit potenziellen Käufern. Ein erstes offizielles Angebot der US-Beteiligungsgesellschaft Tracinda des Multimilliardärs und Ex-Chrysler-Aktionärs Kirk Kerkorian über 4,5 Mrd. Dollar gibt es bereits.

Das Geld für einen Verkauf auf der einen Seite und die Abspaltung der Verlust bringenden Chrysler-Gruppe auf der anderen Seite dürften grundsätzlich auch das Kreditprofil und damit die Ratings stärken. Wann und ob sich ein Verkauf positiv auf die Ratings auswirkt, ist aber noch offen. Die Agenturen halten sich jedenfalls mit Kommentaren bislang bedeckt.

Trotz dieser Unsicherheiten gibt es Rating-Hoffnungen, und die Hypo-Vereinsbank zum Beispiel sieht schon einen positiven Trend bei der Bonität von Daimler-Chrysler. Der Markt bewertet das ähnlich. So sind die Risikoaufschläge der Daimler-Chrysler-Anleihen – also die Renditeabstände im Vergleich zu sicheren Staatsanleihen – immerhin leicht gesunken, seit Konzernchef Dieter Zetsche Mitte Februar auf der Bilanzpressekonferenz zum ersten Mal offiziell verkündete, dass für Chrysler „alle Optionen geprüft“ werden.

Im Schnitt bieten auf Euro lautende Anleihen von Daimler-Chrysler knapp einen halben Prozentpunkt mehr Rendite als Staatsanleihen. Das ist nicht viel, aber mit anderen Autoanleihen lässt sich auch nicht mehr holen. Zudem dürften die Anleihen von Daimler-Chrysler durch die Hoffnung auf ein besseres Rating gestützt werden, auch wenn diese noch vage ist.

Viele Banken stufen deshalb die Daimler-Bonds als Outperformer ein. Diese Wertung heißt aber nur, dass sich die Anleihen besser entwickeln könnten als die anderer Autokonzerne. Absolut steht indes zu befürchten, dass die Kurse von Autoanleihen noch weiter fallen und ihre Renditen – im Einklang mit denen zuletzt recht deutlich angezogenen Renditen von Staatsanleihen – noch weiter steigen könnten. Deshalb sollten Anleger mit einem Kauf noch warten.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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