Bulle & Bär
Das Ende der Schonfrist ist gekommen

"Es gibt noch sichere Anlagen", wirbt die DZ Bank, "Kapitalgarantie" versprechen die Sparkassen. Geldanlagen mit Netz und doppeltem Boden sind in Krisenzeiten begehrt. Die Banken und Sparkassen werden deshalb nicht müde, für diese Produkte zu werben. Doch es gibt rechtliche Grenzen für die Marktschreierei.

FRANKFURT. Wertpapierdienstleistungs-Verhaltens- und Organisationsverordnung (WpDVerOV) lautet der sperrige Begriff für die Waffe der Finanzmarktaufsicht.

Bislang nämlich drohte nur den Geldhäusern Ärger, die es gar zu bunt trieben mit ihren Angeboten. Die BaFin hielt sich nach Inkrafttreten der Norm vor gut einem Jahr mit der Formulierung detaillierter praktischer Vorgaben zurück und griff nur bei groben Verstößen ein. In Zukunft wird die Zahl der Beanstandungen aber wohl kräftig anziehen: Die BaFin hat ein Ende der Schonzeit angekündigt und wird die WpDVerOV weiter konkretisieren.

Aus Sicht von Juristen ist sowieso klar, wie sich die Banken beim Kundenfang verhalten sollten. Laut § 31 Absatz 2 des Wertpapierhandelsgesetzes müssen die Angaben "redlich, eindeutig und nicht irreführend" sein. Das gilt seit jeher. Doch die Banken zeigen sich erstaunlich kreativ, manche Vorgaben werden schlichtweg ignoriert.

Mangelnde Klarheit sehen die BaFin-Juristen vor allem bei sogenannten Cocktail-Angeboten: Aus Fondsanteilen und Festgeld wird dabei ein Paket geschnürt, dessen Konditionen nahezu undurchschaubar sind. Die üppigen Zinsen gelten für wenige Wochen und nur für eine kleine Anlagesumme; zudem fließen die Gewinne laufend in neue Wertpapiere. Im Kleingedruckten steht formal alles drin, aber viele Kunden blicken garantiert nicht mehr durch.

Ebenso verwirrend sind die zahlreichen Kapitalgarantien, mit denen die Banken beispielsweise für Zertifikate werben. 100 Prozent Sicherheit besteht oft nur so lange, wie der Garantiegeber zahlungsfähig ist. Wenn das Institut pleite geht, sind solche Garantien nichts mehr wert.

Bleibt abzuwarten, wie die Geldhäuser auf die strengeren Vorgaben reagieren. Aber kreativ waren sie schon immer, die Marketingabteilungen der Banken und Sparkassen.

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