Bulle & Bär
Das Geschäft mit der Angst

Droht dem US-Dollar ein Kursrutsch? Wohin steuert der Yen? Die Frage nach der künftigen Entwicklung von Wechselkursen stellt sich für Investoren immer dann, wenn sie mit ihren Anlagen über den europäischen Tellerrand hinausblicken, sei es auf US-Aktien, auf einen japanischen Index oder auf in Dollar notierte Rohstoffe.

HB DÜSSELDORF. Für sicherheitsorientierte Anleger halten die Emittenten von Zertifikaten seit Jahren eine praktische Lösung bereit: Zertifikate mit eingebauter Währungssicherung: Bei so genannten Quanto-Zertifikaten auf den Dow Jones Index oder den Goldpreis spielen Wechselkursänderungen keine Rolle mehr für den Kurs des Zertifikats.

Doch der Griff zu einem Quanto-Papier will gut überlegt sein, denn wo versichert wird, kommen auch Prämien ins Spiel. Da kaum ein Emittent die aktuellen Kosten der Sicherung und ihre Handhabung transparent ausweist, lohnt es sich für Anleger beim Kauf der Papiere zu prüfen, wie hoch die Kosten der Währungssicherung tatsächlich sind. Noch wichtiger ist die Frage, ob dem Investor auch mögliche Erträge aus einer Sicherung gutgeschrieben werden. Ob eine Währungssicherung kostet oder gar Erträge bringt, bestimmt vor allem die Zinsdifferenz zwischen den Währungszonen, für die eine Sicherung abgeschlossen wird.

Da die Zinsen in den USA derzeit deutlich über denen der Euro-Zone notieren, beziffert zum Beispiel ABN Amro die jährlichen Kosten der Währungssicherung eines Indexzertifikats auf den Dow Jones mit 3,2 Prozent pro Jahr. Eine Sicherung lohnt sich daher nur für Investoren, die tatsächlich von einem Dollar-Verfall ausgehen, schließlich tauscht ein Anleger mit dem Erwerb eines Quanto-Zertifikats die Risiken, aber auch die Chancen einer Wechselkursveränderung gegen Chancen und Risiken künftiger Zinsänderungen ein.

Selbst für Dollar-Pessimisten aber lohnt eine sorgfältige Wahl des Quanto-Zertifikats, denn die Höhe und die Handhabung möglicher Kosten und Erträge der Wechselkurssicherung unterscheiden sich von Emittent zu Emittent. So verlor ein Quanto-Indexzertifikat auf den Dow-Jones-Index ohne Laufzeitbegrenzung von ABN Amro in den letzten zwölf Monaten rund ein halbes Prozent an Wert, während ein identisches Zertifikat der Bankgesellschaft Berlin im gleichen Zeitraum um gut zwei Prozent zulegte. Die Erklärung: Die Bankgesellschaft Berlin zieht bei der Kursfeststellung des Zertifikats für die Währungssicherung zwar nichts ab, schreibt aber im Gegensatz zu ABN Amro auch umgekehrt dem Kurs nichts gut, wenn aus der Sicherung Erträge entstehen.

Letztere fallen immer dann an, wenn die Zinsen im zu sichernden Währungsraum unter denen der Euro-Zone liegen. Das ist aktuell durch die niedrigen Zinsen in Japan etwa bei der Sicherung von Anlagen im Yen-Raum der Fall: Aus der Quanto-Sicherung eines Zertifikats auf den Nikkei-Index fallen aktuell Erträge von gut einem Prozent pro Jahr an.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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