Bulle & Bär
Das große Umschichten

Ständig neue Hiobsbotschaften lassen jeden Erholungsansatz an der Börse verpuffen. Deshalb drängt sich der Rat auf, das Depot wetterfest zu machen und sich von allen Aktien zu trennen, die besonders unter der Finanzkrise und einer möglichen Rezession leiden. Doch dabei ist Vorsicht geboten.

DÜSSELDORF. Die Börse reagiert nämlich meist sehr viel schneller als viele Anleger ihren Überlegungen Investmententscheidungen folgen lassen. Beim Blick auf den Deutschen Aktienindex (Dax) wird relativ schnell deutlich, wer stark und wer weniger stark unter einem Wirtschaftsabschwung infolge der Immobilien- und Finanzkrise leidet. In vorderster Front stehen die Finanzdienstleister, also Deutsche Bank, Commerzbank, Allianz, Münchener Rück und natürlich der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate. Denn selbst wenn das eine oder andere Institut keine Abschreibungen vornehmen muss, weil es sich cleverer als die anderen verhalten hat, so leiden Banken und Versicherungen doch allein schon deshalb, weil internationale Investoren sie in Sippenhaft nehmen, wenn wieder einmal eine Großbank Abschreibungen veröffentlicht.

Schlecht stehen auch konjunkturempfindliche Werte da wie die Autokonzerne BMW und Daimler, aber auch der Zulieferer Continental. Alle Firmen, deren Produkte der Mensch nicht unbedingt zum Leben braucht, geraten in einem Wirtschaftsabschwung unter Druck. Hingegen behaupten sich Versorger (Strom und Gas werden immer verbraucht), Telekomanbieter (telefoniert wird immer) und Pharmahersteller (Menschen erkranken immer) in der Krise gut. Im Dax finden sich mit Eon, RWE, Deutscher Telekom, Bayer, Merck und dem Dialysespezialisten FMC vergleichsweise wenig defensive Werte.

Dem börseninteressierten Leser fällt spätestens jetzt auf, dass in all den genannten Negativ-Aktien derartige Spekulationen längst "eingepreist" sind. Aktien wie Continental haben gemessen an ihrem Hoch im vergangenen Jahr die Hälfte ihres Werts eingebüßt. Der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate verlor seit Oktober sogar fast 70 Prozent.

Kurzum: Wer in der Krise umschichtet, fährt das große Risiko, viel zu spät umzuschichten - wenn also bereits die meisten Kursverluste aufgelaufen sind. Fondsmanager betreiben mit hohem Engagement permanent das Spiel, auf die vermeintlichen Gewinner von morgen zu setzen. Doch wirklich erfolgreich fahren sie mit ihren vielen Käufen und Verkäufen nicht: Knapp 90 Prozent aller Fonds sind langfristig erfolgloser als ein bloßer Index wie der Dax.



Deshalb hilft nur eines: Umschichten, bevor die Krise ihren Lauf nimmt. Sonst könnte es zu spät sein. Denn bereits vor dem Ende eines Wirtschaftsabschwungs setzen kluge Investoren auf den nächsten Aufschwung und schichten deshalb wieder in konjunkturempfindliche Werte um. Wer also sein Depot zu spät wetterfest macht, vernichtet mehr Kapital, als wenn er einfach gar nichts unternimmt und die Krise aussitzt.



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