Bulle & Bär
Das Interesse an deutschen Börsengängen ist gering

Gab es im ersten Halbjahr noch einige vielversprechende Börsengänge, wurde es in der zweiten Jahreshälfte stiller um deutsche Neuemissionen. Das Volumen der drei Herbstkandidaten ist dazu noch verschwindend gering.

FRANKFURT. Gibt es in Deutschland so wenige Börsengänge (IPO), weil sie keinen interessieren – oder interessiert sich niemand dafür, weil es fast keine gibt? Diese Frage ist durchaus ernst gemeint, speziell vor dem Hintergrund, dass die Experten des Beratungshauses Ernst & Young gestern erst wieder ein Rekordjahr für IPOs bejubelt haben. Weltweit haben die Emissionserlöse für Börsenneulinge in diesem Jahr die des bisherigen Rekordjahres 2007 übertroffen. 295 Milliarden Dollar waren es damals, über 300 Milliarden werden es diesmal.

Der deutsche Beitrag dazu: Rund drei Milliarden Dollar, also ein Prozent. Vorausgesetzt, der chinesische Spezialglashersteller CSG schafft am kommenden Dienstag ein erfolgreiches Debüt. Er wäre dann der achte Börsenneuling in diesem Jahr im Premiumsegment Prime Standard. Bei rund 300 Erstnotizen, die weltweit pro Quartal stattgefunden haben, ist das ein mehr als übersichtliches Ergebnis.

Natürlich ist es keine Überraschung, dass die meisten Börsengänge in diesem Jahr wieder in den Schwellenländern stattgefunden haben. Fast drei Viertel von allen waren es dort. Das liegt an den hohen Wachstumsraten der dortigen Wirtschaft, am großen Interesse der Privatanleger und am allgemeinen Nachholbedarf in Sachen Börse.

Aber auch in den Industrienationen ist die Flaute am IPO-Markt vorbei. Die USA erlebten gerade die Rückkehr von General Motors an die Börse. Mehr als 18 Milliarden Dollar brachte sie ein. Und in Großbritannien ist die Zahl der Erstnotizen von acht im vergangenen Jahr auf 27 gestiegen.

Enttäuschung im zweiten Halbjahr

Die eigentliche Enttäuschung hier in Deutschland ist indes nicht die geringe Zahl der Börsengänge. Es ist das zweite Halbjahr. Denn während es im Frühjahr noch gut los ging – vor Ostern kamen mit Kabel Deutschland, Brenntag, Tom Tailor und Joyou gleich vier aussichtsreiche Kandidaten –, wurde es anschließend immer stiller. Im Herbst, der neben dem Frühjahr gewöhnlich die zweite Boomphase einläutet, waren es mit European Cleantech, JK Wohnbau und jetzt wohl noch CSG gerade mal drei. In Anbetracht dessen, was die Börse in dieser Zeit an Aufschwungspotenzial zeigte, ist das verschwindend gering. Erst recht, wenn man das gesamte Emissionsvolumen dieser drei beachtet. Es liegt zusammen knapp über 350 Millionen Euro.

Natürlich haben diese Kandidaten bestenfalls Spezialisten interessiert, das war auch nicht anders zu erwarten. Würden bekannte Namen an die Börse mit entsprechendem Gewicht und Kurspotenzial drängen, dann würde ein großes Publikum durchaus auch wieder Interesse zeigen. Dass sich aber im Moment keiner für Börsengänge interessiert, verwundert nicht.

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