Bulle & Bär
Das Märchen von der Windenergie

Wie alle Märchen beginnt auch dieses mit den drei Worten „es war einmal“. Es war also einmal eine Branche, die immenses Wachstum versprach – wegen ihrer innovativen Technik, die nahezu kostenfrei Energie liefert, und der vielen Anwendungsmöglichkeiten. Die Börsianer kauften die Aktien in Massen und trieben deren Kurse in horrende Höhen.

FRANKFURT. Doch die Zeiten änderten sich: Die Branche konnte oft nicht so schnell liefern, wie es die Kunden wünschten, die Technik war störungsanfälliger als gedacht und an der Optik, die so gar nicht in die Natur passte, störten sich viele Kritiker.

So begann der Abstieg der Windkraft. Plötzlich wollte niemand mehr etwas von dieser innovativen Form der Energiegewinnung wissen. Zumal mit der Solarenergie bereits Ersatz bereitstand. Die Massen liebten einen neuen Herrscher. Für den alten blieb nur, sich wieder auf solide Arbeit und überzeugende Geschäftszahlen zu konzentrieren. Das geschah denn auch, und mit Unterstützung immens steigender Öl- und Gaskosten fand die Windenergie zurück in die Herzen der Anleger.

Die Aktien der großen Hersteller und Projektierer ziehen seit geraumer Zeit wieder an, und die meisten Analysten glauben nicht, dass das Märchen an dieser Stelle bereits zu Ende ist. Besonders da die Werte, die sich in diesem Jahr zwischenzeitlich fast verdoppelt haben, nach dem jüngsten Kursrückgang nun wieder deutlich attraktiver erscheinen als noch vor Wochen.

Das gilt auch für den europäischen Marktführer, die dänische Vestas. Das Unternehmen kämpft zwar noch immer mit den Qualitätsproblemen der Vergangenheit, als viele ausgelieferte Anlagen nicht frei von technischen Problemen waren. Doch nach dem Verlustjahr 2005 dürfte in diesem Jahr der Turnaround geschafft werden. Die Anleger honorieren das: Die Vestas-Aktie stieg zwischen Januar und Mai von unter 100 auf mehr als 180 dänische Kronen an, ehe es zuletzt auf 140 Kronen zurückging.

Ähnlich positiv ist die Kursentwicklung der deutschen Wettbewerber Nordex und Repower. Nordex-Aktien haben sich in den ersten fünf Monaten des Jahres 2006 auf knapp 22,50 etwa verfünffacht, sich seither aber auf 11,56 Euro halbiert. Repower-Titel liegen nach einem Anstieg von 30 auf 58 Euro nun bei gut 40 Euro. Bei beiden Firmen ist die Rückkehr in die Gewinnzone im Jahr 2006 für Analysten ausgemachte Sache.

Ein wesentlicher Grund für das Comeback der Windkrafttitel liegt darin, dass das Thema in weiten Teilen Europas mittlerweile große Bedeutung hat. Hinzu kommt die Konsolidierung innerhalb der Branche, die die Kurse treibt. Seit Wochen gibt es Übernahmegerüchte um die spanische Gamesa. Um Vestas & Co. ranken sich seither ebenfalls die Spekulationen. Die Moral von der Geschicht’: Das Märchen von der Windkraft ist noch nicht zu Ende. Es beginnt gerade erst das zweite Kapitel.

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