Bulle und Bär
Das Prinzip des Bausparvertrags hat einen Haken

Die Zinsen für Baukredite sind in den letzten Wochen rasch gestiegen und liegen wieder deutlich über fünf Prozent - zur Freude der Bausparkassen, die jetzt wieder mit ihren garantiert niedrigen Darlehenszinsen punkten können.

DÜSSELDORF. Bausparen ist mit einer Verbreitung von knapp 60 Prozent bei den Deutschen ähnlich beliebt wie das Sparbuch - und ähnlich renditeschwach. Es lohnt auch im Umfeld steigender Zinsen oft nicht. Vor allem Bezieher mittlerer Einkommen zahlen meist drauf.

Das Prinzip eines Bausparvertrags: In der Ansparphase zahlt der Sparer Monat für Monat einen festen Betrag ein. In dieser Zeit muss er sich meist mit mageren Zinsen von einem bis 1,5 Prozent auf seine Einlagen begnügen. Dafür ist sein späteres Darlehen entsprechend günstig, und der Zinssatz für den Bausparkredit steht schon heute für die gesamte Laufzeit fest.

Der Haken des Kontrakts: Die Ansparphase dauert ziemlich lange. Mit Niedrigstverzinsung kommt der Zinseszinseffekt, der das Geld arbeiten lässt, kaum zum Tragen. Ist der Kredit zuteilungsreif und das Häuschen angeschafft, muss der Bauherr aber so rasch tilgen, dass er die hohen monatlichen Raten oft gar nicht leisten kann. "Viele nehmen den Kredit gar nicht in Anspruch", sagt Baufinanzierungsexperte Max Herbst. Damit haben die Bauherren in der Ansparphase Geld verschenkt und können von den niedrigen Darlehenszinsen dann doch nicht profitieren. Wer bausparen möchte, sollte sich deshalb von günstigen Darlehenszinsen nicht blenden lassen, sondern auch die Tilgungsbeiträge und die Guthabenzinsen kritisch prüfen.

Weit positiver ist das Bild, wenn der Sparer ein eher niedriges Einkommen bezieht und damit in den Genuss der Wohnungsbauprämie und eventuell sogar noch einer Arbeitnehmersparzulage kommt. Bei einem zu versteuernden Einkommen bis 51 200 Euro für Verheiratete zahlt der Staat zu Beiträgen bis 1024 Euro jährlich 8,8 Prozent - rund 90 Euro - dazu. Sollte der Bausparer dann doch kein Haus kaufen, kann er die angesparte Summe inklusive der staatlichen Zuschüsse nach sieben Jahren einfach kassieren.

Wohlhabende können bei manchen Bausparkassen die niedrig verzinste Ansparphase drastisch verkürzen, indem sie bereits zu Vertragsbeginn eine höhere Summe einzahlen. Auch dann kann sich ein Bausparvertrag rechnen, zumal Besserverdienende meist auch die hohen Tilgungsraten gut wegstecken können. Faustregel: Die fälligen Darlehensraten sollten 50 Prozent des Nettoeinkommens nicht übersteigen.

Gerne bieten Banken Kombidarlehen an. Der Kunde kauft ein Haus, bekommt von der Bank ein reguläres Baudarlehen und zahlt nur die Zinsen, ohne zu tilgen. Gleichzeitig spart er in einen Bausparvertrag und löst das Darlehen später damit ab. Berechnungen der Verbraucherzentrale Bremen haben aber ergeben, dass dabei der Kunde auf Grund der hohen Differenz zwischen Kredit- und Guthabenzinsen praktisch immer draufzahlt.

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