Bulle und Bär
Das Risiko der Rezession

Vorsicht Rezession! Bei Ökonomen und Anlegern spielt ein solcher Warnruf keine Rolle. Warum auch sollten Börsianer dieses Szenario in ihr Meinungsbild einbeziehen? Letztlich steht die solide wachsende Weltwirtschaft auf stabilem Sockel, wie auch steigende Unternehmensgewinne – wichtigster kurzfristigster Bestimmungsfaktor an der Börse – zeigen.

FRANKFURT. Doch von einer heilen Börsenwelt kann die Rede nicht sein. Eine Analyse unterschiedlicher Einflussfaktoren auf die Finanzmärkte zeigt, dass der stabil erscheinende Sockel, auf dem die Weltwirtschaft ruht, Risse aufweist. Globale Ungleichgewichte und in diesem Kontext bestehende Risiken drohen, das Fundament der Weltwirtschaft ins Wanken zu bringen.

Verwerfungen für die Finanzmärkte drohen etwa durch zunehmende Ungleichgewichte in den Zahlungsbilanzen der „reichen“ Industrieländer auf der einen und der „armen“ Schwellenländer auf der anderen Seite. Die Segnungen der Globalisierung, die sich auch daran zeigen, dass der Welthandel in den vergangenen drei Dekaden um das Eineinhalbfache stärker gestiegen ist als das Welt-Bruttoinlandsprodukt, sollten nicht losgelöst von daraus entstandenen Risiken betrachtet werden.

Längst hat die globale Integration der Finanzmärkte dazu geführt, dass sich die virtuelle Welt der Finanzen sehr weit von der realen Güterwirtschaft entfernt hat. Der Wert der an den Devisenmärkten abgewickelten Kontrakte hat das 42fache des weltweiten Handels erreicht. Die Realwirtschaft hat im Verhältnis zur Finanzwirtschaft also längst an Bedeutung verloren.

Nur wenige der an den eng verflochtenen globalen Finanzmärkten durchgeführten Transaktionen haben einen echten Bezug zur Realwirtschaft. Wegen der Nutzung komplexer Finanzprodukte sind so nicht nur die Finanzmärkte, sondern auch die Weltwirtschaft für Störungen anfällig.

Risiken bergen auch die Rohstoffmärkte. Ben Bernanke hat seinen Landsleuten jüngst die Folgen knapper Energie-Ressourcen erklärt. Ähnlich wie sein Vorgänger Alan Greenspan wies der aktuelle US-Notenbankchef dabei auf das Risiko weiter steigender Öl- und Gaspreise hin.

Das neue Energie-Zeitalter löst einen nachhaltigen Wandel politischer und finanzieller Machtverhältnisse in der Welt aus. Bernanke weiß, dass vor allem die USA wegen ihrer starken Energieabhängigkeit nicht nur unter Inflationsaspekten störungsanfällig sind. Wahrscheinlich sei die Inflation deutlich höher als dies die Politiker erzählen, sagt Jeff Saut von Raymond James & Associates. Die Zinsen dürften stärker steigen als angenommen und das Wachstum abwürgen. In den USA stehe eine Stagflation – steigende Inflation und stagnierende Wirtschaft – bevor. Von der Stagflation zur Rezession ist nur ein kleiner Schritt. Und von der Rezession in den USA zur Rezession in anderen Regionen der Welt ist es wohl auch nicht weit.

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