Bulle & Bär: Das Schlechte aus zwei Welten

Bulle & Bär
Das Schlechte aus zwei Welten

Bei Geldanlagen kommt es auch auf die Verpackung an. Ob ein Investor sein Geld beispielsweise in einen Fonds oder ein Zertifikat steckt, macht durchaus einen Unterschied - auch wenn Fonds und Zertifikate zunehmend das Gleiche machen.

FRANKFURT. Wenn jemand einen Fernseher, eine CD oder einfach ein Stück Käse kauft, ist ihm die Verpackung der Produkte in der Regel egal. Ganz anders sieht das bei der Geldanlage aus. Ob ein Investor sein Geld beispielsweise in einen Fonds oder ein Zertifikat steckt, macht durchaus einen Unterschied. Während Fonds als Sondervermögen konzipiert sind und so die Einlagen auch im Falle einer Insolvenz des Anbieters gesichert sind, handelt es sich bei Zertifikaten um ungesicherte Inhaberschuldverschreibungen. Hinzu kommt die steuerliche Behandlung. Weil für viele Zertifikate die Abgeltungsteuer schon jetzt, für Fonds aber erst ab 2009 gilt, sind Fonds derzeit klar im Vorteil.

Bedeutend ist die Verpackung auch, weil Fonds und Zertifikate zunehmend das Gleiche machen: Es gibt Zertifikate auf Fonds und Fonds auf Zertifikate. Zudem bilden immer mehr Fonds einen Index passiv ab, während Zertifikate aktiv gemanagte Portfolios verbriefen. Sogenannte strukturierte Fonds treiben diese Annäherung auf die Spitze. Als Ausweg aus der aktuell misslichen Steuerlage für Zertifikate bringen immer mehr Emittenten diese Produkte heraus, die - bis auf die Verpackung - baugleich mit üblichen Zertifikatestrukturen sind. Verkaufsschlager wie Bonus-, Express oder Garantiezertifikate gibt es bereits im Fondsmantel, weitere Varianten dürften folgen.

So gelungen die generelle Idee ist, Zertifikate in einen steueroptimierenden Mantel zu packen, der obendrein auch noch krisensicher ist - die Ausführung ist bisher enttäuschend. Während die Emittenten die Zwitterprodukte gerne als "das Beste aus zwei Welten" bewerben, kombinieren diese in Wahrheit eher das Schlechte aus zwei Welten. Das gilt zum einen für die Strukturen der Papiere, die wie bei den Vorbildern aus dem Zertifikatebereich sehr komplex und für Anleger kaum zu durchschauen sind. Auf der anderen Seite wird für die Innovationen wie bei Fonds üblich nur einmal am Tag ein Preis berechnet, während es für Zertifikate alle paar Sekunden neue Kurse gibt.

Vor allem aber haben die Anbieter strukturierter Fonds das Kernproblem des Fondsmantels nicht behoben: Dieser ist schlicht und einfach zu teuer. Während Anleger klassische Bonus- oder Expresszertifikate aufgrund des hohen Wettbewerbs in diesem Segment mit Aufschlägen (Spreads) auf den Rückkaufswert von höchstens einem Prozentpunkt kaufen können, liegen die Spreads bei strukturierten Fonds zwischen drei und vier Prozent. Hinzu kommen Managementgebühren und zum Teil zusätzliche Renditekiller wie eine begrenzte Partizipation an Kursgewinnen.

Unter dem Strich steht bei vielen strukturierten Fonds eine Kostenbelastung, die attraktive Renditen nahezu unmöglich macht. Der Steuervorteil der Fonds gegenüber Zertifikaten ist so schnell aufgebraucht. Und 2009, wenn dieser wegfällt, bleibt nur der Status des Sondervermögens als Pluspunkt. Dass die Anleger dafür den hohen Gebührenaufschlag zahlen werden, darf bezweifelt werden.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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