Bulle & Bär
Dax: Der Vergleich mit 2003 hinkt

Noch knapp 1 500 Punkte war der Deutsche Aktienindex (Dax) dieser Tage mal vom Tief aus dem März vor sechs Jahren entfernt. Und weil die wirtschaftliche Lage jetzt weit schlechter ist als damals und die damalige Rezession im Vergleich zu heute wie ein Rezessiönchen anmutet, müssen die Kurse mindestens noch bis dorthin sinken. Eher noch tiefer, prophezeit mancher Schwarzseher.

FRANKFURT. Wer so argumentiert, vergleicht Äpfel mit Birnen und hat damit dabei schlicht vergessen, was exakt um diese Zeit vor sechs Jahren los war. Im Gegensatz zu heute hatten wir damals politische Börsen. Der Ausbruch des zweiten Irak-Krieges stand unmittelbar bevor. Täglich bestimmten Bilder die Nachrichten, die weiße Jeeps mit schwarzen „UN“-Aufklebern zeigten, die in hermetisch abgeriegelte Gebäudetrakte aus- und einfuhren. Immer auf der Suche nach Massenvernichtungswaffen und im Dialog mit dem Saddam-Regime, diese offenzulegen. Die Kernfrage lautete stets: Lenkt man ein und kann ein Krieg so verhindert werden?

Die letzten tausend Punkte, um die der Dax 2003 ab dem Jahresanfang bis zum Kriegsausbruch am 20. März stürzte, waren in erster Linie der von Tag zu Tag schwächer werdenden Hoffnung geschuldet, dass eine friedliche Lösung noch möglich sein wird. Das Ganze erhielt doppelte Brisanz dadurch, dass die Anschläge vom 11. September 2001 zu dieser Zeit erst anderthalb Jahre her waren. Eine globale Eskalation war so jederzeit möglich und wurde von den Aktienmärkten auch als durchaus realistisch eingeschätzt.

Diese Sorge gibt es heute glücklicherweise nicht mehr. Trotz aller berechtigter Krisenängste und Absturzgefahren. Die Welt – und damit auch die Börsenwelt – ist von politischer Seite betrachtet sicherer geworden. Die Politik ist nicht mehr der Gefahrenherd, der die Kurse belastet. Sie ist eher die stützende Säule in einer ansonsten taumelnden Wirtschafts- und Finanzwelt. Jetzt die Phase vor sechs Jahren als Indiz für einen weiteren Absturz an den Aktienmärkten heranzuziehen, zeugt entweder von einem verstellten Blick auf die Dinge. Oder von zu schnellem Vergessen.

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