Bulle & Bär
Dax im Abwärtstrend

Seit sieben Wochen geht es mit dem Deutschen Aktienindex (Dax) bergab. Kurze Erholungen ändern daran kaum etwas. Jedes Tief liegt bislang unter dem vorangegangenen, jedes Hoch erreicht nicht mehr die alte Stärke.

HB DÜSSELDORF. Damit erfüllt sich die einfachste und wichtigste Regel für einen Abwärtsschub. Mit der Immobilienkrise ist die Ursache schnell benannt. Und dennoch sind es weniger die Fakten, es ist als vielmehr die tiefe Verunsicherung, die den Trend nach unten prägt.

Nachdem der Dax im Frühjahr 2000 zum ersten Mal den 8 000er-Gipfel erklommen hatte, sorgten Technologie-, Medien- und Telekomwerte (TMT) für ein Ende der Party. Die Kurse der am kräftigsten gestiegenen Aktien fielen am stärksten. Erst als später die Wirtschaft lahmte, Rezessionsängste hinzukamen und Bilanzfälschungen das Vertrauen zerstörten, gerieten alle Branchen auf die Verliererstraße. Doch stets blieb die TMT-Branche der mit Abstand größte Verlierer während der dreijährigen Baisse.

Jetzt ist alles komplizierter. Zwar fallen die Kurse der Banken, Versicherungen und Immobilienfinanzierer besonders kräftig. Bei ihnen vermuten Investoren am ehesten, dass die Firmengewinne sinken. Deutsche Bank, Commerzbank und Hypo Real Estate verloren in den vergangenen sieben Wochen zwischen 14 und 20 Prozent. Doch traditionelle Industriekonzerne wie Henkel und Continental, die im Bezug auf Immobilien-Engagements über alle Zweifeln erhaben sein dürften, stehen den in Sippenhaft genommenen Verdächtigen aus der Finanzszene nicht nach. Auch sie büßten zweistellig ein.

Was lehrt uns das? Erstens versilbern Investoren, wie beispielsweise in Liquiditätsschwierigkeiten geratene Hedge-Fonds, jetzt ihre Gewinnbringer. Dafür bieten sich Henkel, Conti und Co am ehesten an, weil diese Aktien kräftig gestiegen sind. Zweitens spiegeln die Verluste dieser alten Erfolgstitel sehr viel Unsicherheit über das wahre Ausmaß der Immobilienkrise wider. Niemand weiß, ob und in welchem Umfang Verbraucher künftig weniger konsumieren, weil ihre Häuser weniger wert sind und gleichzeitig die Zinslasten steigen. Auch weiß niemand, ob und wie stark die Unternehmen weniger investieren und die US- oder gar Weltwirtschaft lahmen wird.

Wenn es soweit kommt, dann gerät die traditionelle Industrie ins Schliddern. Dazu zählen besonders jene Unternehmen, die besonders vom bisherigen Weltwirtschaftsboom profitieren und deren Gewinne und Aktienkurse am meisten gestiegen sind. Verkürzt ausgedrückt: Solange neben den Finanzwerten auch bisherige Gewinner aus ganz anderen Branchen überdurchschnittlich stark verlieren, spiegeln die Märkte mehr Unsicherheit über mögliche Hiobsbotschaften als Gewissheit über das Ausmaß der Immobilienkrise wider. Weil die Börsen bekanntermaßen Unsicherheit noch mehr verabscheuen als schlechte Nachrichten, werden die Kursschwankungen groß bleiben. Deshalb sollte niemand auf einen ruhigen September spekulieren.

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