Bulle und Bär
Dax ist besser als die anderen

Gut 15 Prozent Zuwachs verzeichnet der Deutsche Aktienindex Dax seit Jahresanfang. Damit liegt er weit vorn. Etablierte Indizes in Europa und den USA fielen nach den jüngsten Rückschlägen auf ihr Niveau vom Jahreswechsel zurück.

DÜSSELDORF. Nachholbedarf, weil der Dax in der dreijährigen Baisse bis 2003 so tief gefallen war, kann für das gute Abschneiden kaum die Ursache sein. Schließlich gewann unser Börsenbarometer seit dem Tiefpunkt vor viereinhalb Jahren bereits 250 Prozent hinzu. Mehr als alle anderen großen Indizes. Der Rückstand, nachdem der Dax drei Viertel seines Wertes verloren hatte, ist längst wettgemacht.

Auch die landläufige Börsenweisheit, dass der Dax an guten Tagen stets mehr als andere Indizes zulegt, an schlechten aber auch mehr verliert, zieht nicht mehr. Seit die Kurse wegen der Immobilienkrise weltweit auf Talfahrt gingen, hielt sich der Dax besser als viele andere Indizes. Die Idee hinter der alten These ist, dass der Dax viele konjunktursensible Werte vereint und deshalb überproportional von Sorgen für die Konjunktur und Hoffnungen auf einen Aufschwung profitiert.

Nein, die erstaunliche Stärke des Dax begründet sich in den hohen Erwartungen, die Investoren mit deutschen Konzernen verbinden. In den vergangenen eineinhalb Jahren erhöhten sich für die 30 Dax-Firmen die Nettogewinn-Schätzungen für das Geschäftsjahr 2008 um 15 Prozent. In Euroland sind es fünf Prozent. In den USA stagnieren die Prognosen in den letzten 18 Monaten nur noch.

Grund für so viel Optimismus ist zum einen, dass deutsche Konzerne mehr als andere vom investitionsgetriebenen Aufschwung der Weltwirtschaft und der Nähe zu Osteuropa profitieren. Das erleichtert Exporte und das Verlagern von Arbeitsplätzen in benachbarte Niedriglohnländer. Zum anderen bestätigten deutsche Unternehmen in den vergangenen Jahren immer wieder, dass sie die ambitionierten Ertragsschätzungen locker erfüllten. Am Ende kamen immer noch etwas höhere Ergebnisse heraus.

Der Dax wird sich noch solange besser als andere Börsenindizes in Europa und den USA entwickeln, wie deutsche Konzerne auch stärker als andere zulegen. Denn bei einem anvisierten Gewinnplus von 15 Prozent kann der Dax um weitere 15 Prozent zulegen, ohne dass sich an der Bewertung der Unternehmen hinsichtlich ihres Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) etwas ändert. Sollten hingegen die Gewinne der US-Unternehmen tatsächlich stagnieren, müssten auch der S&P-500 oder der Dow Jones auf der Stelle treten, damit Aktien gemessen am KGV gleich bewertet bleiben.

Größter Unsicherheitsfaktor für derartige Rechenexempel bleibt eine mögliche Rezession. Niemand vermag derzeit zu sagen, ob die Immobilienkrise einen Wirtschaftsabschwung auslöst und wie sehr dadurch die Firmengewinne fallen werden. Einziger Trost in diesem Negativszenario: Solange die Konjunktursorgen überwiegen, bleiben alle Börsenindizes gedrückt. Der gute Dax genauso wie die anderen.

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