Bulle & Bär
Dax: Nie mehr 2003!

Ein kaum beachteter Unterschied zwischen dem deutschen Leitindex Dax und dem bekannten US-Börsenbarometer Dow Jones ist die Tatsache, dass es sich beim Dax um einen Performance-Index handelt. Das bedeutet; Dividenden fließen in die Berechnung mit ein. Würde man sie herausrechnen, läge der Dax schon unter dem Niveau von 2003.

FRANKFURT. Als an dieser Stelle vor rund zwei Wochen die Rede davon war, dass die immensen Verluste im Dax vor rund sechs Jahren speziell an der unsicheren weltpolitischen Situation lagen und deswegen kein Vergleich zur aktuellen Situation möglich ist, war die Resonanz groß. Von großer Zustimmung bis hin zu deutlicher Ablehnung reichten die Reaktionen.

Ein wesentlicher Aspekt, der kürzlich jedoch nicht angesprochen wurde, soll heute nochmal aufgespießt werden: Nämlich dass der Dax, anders als beispielsweise der Dow Jones in den USA, ein Performance- und kein Kursindex ist. Dividenden werden deshalb hierzulande mit einberechnet und schönen so in guten Zeiten das Bild, während sie in den USA außen vor bleiben.

Was auf den ersten Blick wie eine Spitzfindigkeit wirken mag, hat in der Praxis immense Konsequenzen. Würden die im historischen Vergleich außergewöhnlich hohen Dividendenrenditen der vergangenen Jahre nicht in den Dax einberechnet, wäre Deutschlands Börsenbarometer Nummer eins schon längst weit unter das Niveau von 2003 bei etwa 2 200 Punkten gefallen.

Dass es tatsächlich so weit kommt, ist nahezu unmöglich. Denn all diese Dividendenzahlungen der vergangenen Jahre stellen inzwischen eine Art „Cash-Sockel“ für den Dax dar. Dieser Grundstock ist in den Jahren von 2000 bis heute von damals 1 100 auf etwa 1 800 Punkte geklettert und stellt damit eine Art absolut möglicher Untergrenze dar.

So lässt sich auch erklären, warum der Dow im Februar weit unter die Niveaus vom Frühjahr 2003 gefallen war und zwischenzeitlich gar auf dem tiefsten Stand seit 1997, während der Dax auch während seiner größten Schwächephase noch mehr als 1 300 Punkte Differenz zu der Phase vor rund sechs Jahren aufwies.

Nun waren Indexkonstruktionen schon immer sehr spitzfindig und dazu hochmathematisch. Im Fall des Dax ist es hingegen neben der optisch meist besseren Entwicklung als im Dow so, dass die Performance-Methode als weitaus moderner gilt, was das Abbilden eines Börsenplatzes anbelangt. Sie schafft durch das Einbeziehen der Dividenden auch ein realistisches Abbild dessen, was über die Jahre tatsächlich an Rendite zu erzielen war.

Nun scheint sich zwar nach der erfreulichen vergangenen Woche und dem ebenso erfreulichen Wochenauftakt die Diskussion darüber, ob der Dax die Tiefs vom Frühjahr 2003 noch einmal erreichen wird, vorerst sowieso erübrigt zu haben. Gerade die Volkswirte in den Banken und den Forschungsinstituten sehen – sozusagen als Speerspitze der Pessimisten – im Moment jedoch noch jede Menge Probleme auf die Weltwirtschaft zukommen. Sollten sie tatsächlich Recht behalten, dann könnte die Diskussion, bis auf welche Tiefs der Dax ein weiteres Mal sinken könnte, durchaus neue Nahrung erhalten. Bis auf 2 200 Punkte wird er aber auch dann nicht fallen. Das steht jetzt bereits fest.

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