Bulle & Bär
Denn sie wissen nicht wohin damit

Die wichtigste Frage an der Börse derzeit lautet: Geht es weiter nach oben mit dem Dax - oder kommt doch der große Rückschlag? Für beide Szenarien lassen sich durchaus plausible Argumente finden.

FRANKFURT. Die Pessimisten werden darauf verweisen, dass sich die Welt in der schlimmsten Rezession seit Jahrzehnten befinde und die Börse derzeit vollkommen übertreibe. Ganz falsch liegen sie damit nicht. Die konjunkturelle Situation ist noch immer miserabel - weltweit.

Erst vor kurzem vermeldete Japan, dass seine Wirtschaft im ersten Quartal um 15 Prozent geschrumpft ist. Einen solch heftigen Einbruch hat das Land bislang noch nicht erlebt. In dieser Woche werden die USA Zahlen zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bekanntgeben, dazu den Chicagoer Einkaufsmanagerindex und Daten zum Verbrauchervertrauen. Überragend dürften die Zahlen nicht ausfallen; aber das ist nicht entscheidend. Seit Monaten gilt an der Börse: Konjunkturdaten sind dann gut, wenn sie nicht ganz so schlecht ausfallen wie befürchtet. Im Moment reicht das vollkommen; die Aktienkurse klettern trotzdem. Und das wird zumindest in den kommenden Wochen so bleiben.

Denn jetzt kommen die Optimisten mit ihrem wichtigsten Argument ins Spiel: Entscheidend sind derzeit nicht die volkswirtschaftlichen Kennziffern, sondern vielmehr, wer noch alles Geld auf der hohen Kante hat. Und das dürften nicht wenige sein. Viele institutionelle Investoren haben die Rally der vergangenen Wochen verpennt. Sie waren noch dabei, Aktien aus dem Depot zu werfen, als die Kurse längst wieder stiegen. Mit jedem Punkt, den Dax und Dow Jones klettern, wächst der Druck auf die Spätzünder. Irgendwo müssen sie schließlich hin mit ihrem Geld. Da es an Anlagealternativen fehlt, sind Aktien die erste Wahl.

Viele werden deshalb noch aufspringen auf den Zug aus Angst, den Aufschwung völlig zu verpassen - ganz gleich, ob es die ökonomischen Kennziffern hergeben oder nicht. Kurzfristig ist das Argument der Optimisten das stärkere. Niemand will zu spät kommen, schon gar nicht, wenn es ums Geld geht.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen
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