Bulle & Bär
Der bessere Index

Rund 240 Prozent Zuwachs in vier Jahren sind nicht unbedingt ein Grund, den Dax in Frage zu stellen. Und doch: Die meisten Börsen-Indizes haben eine große Schwäche.

DÜSSELDORF. Erfolgreiche Aktien gewinnen im Aufschwung immer mehr Gewicht, so dass sich das Risiko schließlich auf immer weniger Einzelwerte verteilt. Das ist das Manko unserer kapitalisierungsgewichteten Indizes. Bessere Perspektiven versprechen Fundamental-Indizes.

Abgesehen vom altehrwürdigen Dow Jones, der die Aktien anhand ihres Preises gewichtet, bemisst sich in herkömmlichen Indizes die Bedeutung eines Einzelwertes nach dem Marktwert. Steigende Kurse lassen das Gewicht anschwellen. Umgekehrt büßen Verlierer an Marktwert und auch an Einfluss auf den Index ein.

Das führt dazu, dass überbewertete Papiere den Index stark beeinflussen. Markante Beispiele sind einstige Börsenstars wie Alcatel, Vivendi oder Deutsche Telekom. Sie boomten in der High-Tech-Zeit, wodurch sich ihr Börsenwert immer weiter aufblähte. Als dann die Blase platzte, verloren Dax und Euro Stoxx vor allem deshalb so viel an Wert, weil die Schwergewichte abstürzten und deshalb die Indizes nach unten rissen. Die Folgen waren fatal, weil sich viele Fonds und Zertifikate an den Indizes orientieren und deshalb stark in Schwergewichten investiert waren.

Unsere Kursbarometer neigen also dazu, in der Boomphase überdurchschnittlich zuzulegen, im Abschwung aber kräftig zu verlieren. Besser machen es fundamental konstruierte Indizes. Hier bemisst sich das Gewicht einzelner Werte nicht nach dem Marktwert, sondern nach Unternehmenskennzahlen wie Umsatz, Cash-Flow, Dividende, Buchwert und Mitarbeiterzahl. Die Firma des renommierten US-Wissenschaftlers Robert Arnott, Research Affiliates (Rafi), entwickelt gerade mit dem Indexanbieter FTSE solch ein Kursbarometer für Europa. Vorbild ist der amerikanische S&P-500-Index. Rückwärts betrachtet erzielte der Rafi-S&P-500 in den letzten fünf Jahrzehnten jährlich ein Plus von knapp zwei Prozent gegenüber dem herkömmlichen Index.

Auf den Dax angewendet gibt es nach Berechnungen von Helaba-Research beachtliche Verschiebungen. Auf Basis der letzten fünf Geschäftsjahre fällt die gut gelaufene Deutsche-Börse-Aktie von Rang 14, den sie hinsichtlich ihres Börsenwertes einnimmt, auf den vorletzten Platz. Dagegen verbessern sich Volkswagen, Tui und Metro um gut zehn Plätze. Die im Dax wegen ihres immer kleineren Börsenwertes auf Rang neun gefallene Deutsche Telekom schafft es, Eon von Platz zwei zu verdrängen. Die Spitzenposition nimmt anstelle von Siemens nun Daimler-Chrysler ein.

Die Verschiebungen verdeutlichen den alternativen Ansatz. Bereits kräftig gestiegene Aktien verlieren an Einfluss. Das sollte sich im Abschwung bezahlt machen. Denn dann verlieren üblicherweise Gewinner-Aktien besonders stark an Wert – und ziehen den Dax in die Tiefe.

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