Bulle & Bär
Der Chamäleon-Fonds

Vorbei sind die guten alten Zeiten; jene einfachen Zeiten, in denen ein Aktienfonds ein Aktienfonds und ein Rentenfonds eben ein Rentenfonds war. Es heißt aufbrechen in eine neue Ära der definierten Anlageziele und Mischungen von Anlageformen. Ungekürter Champion auf diesem Feld ist Deutschlands größtes Fondshaus DWS.

FRANKFURT. Gerade startet die Deutsche-Bank-Tochter ihren in Fonds und später auch in Zertifikate investierenden „DWS 5 % Target Return 2010“. Das Produkt ist ein Novum in der Branche und ein echtes Chamäleon. Es ist ein gemischtes Portfolio, eine Art Dachfonds, darüber hinaus ein Absolute-Return-Fonds sowie ein Geldmarktfonds mit Zusatzertrag, und zu guter Letzt auch ein Laufzeitfonds. Alles klar?

In dieser Form wird der Anlageberater das Produkt dem Kunden kaum beschreiben. Er will schließlich verkaufen. Der Berater wird sagen: „Der Fonds garantiert jedes Jahr eine Auszahlung von fünf Prozent und wird in drei Jahren zum Erstausgabepreis zurück gezahlt.“ Die feste Ausschüttung in der überschaubaren kurzen Laufzeit ist der Marketing-Gag. So ein Kombipack zieht die sicherheitsorientierten Privatanleger an. Noch dazu liegen die Ausschüttungen über den Geldmarktsätzen und sind mit Blick auf den Fiskus interessant, da sie sich vor allem aus steuerfreien Kursgewinnen speisen werden.

Das Portfolio des Fonds brauen die „Egg Heads“ der DWS in ihrer finanzmathematischen Wunderküche zusammen. Die Rechenkünstler haben ein komplexes Computermodell entwickelt, das eine optimale Mischung unterschiedlichster Fonds und Derivate ausspuckt, dabei immer die fünf Prozent Jahresrendite und die Sicherung des Anfangskapitals im Auge hat.

Ob der Anleger mit dieser „Black Box“ gut fahren wird, muss sich erst erweisen. Eine Rückzahlung zum Erstanteilswert von 100 Prozent ist nicht garantiert, sie wird „angestrebt“, heißt es im Fondsprospekt. Theoretisch kann auch weniger heraus kommen. Sollte der Computer dagegen mehr an Rendite hereinholen als versprochen, kann die DWS vorzeitig kündigen. Der Anleger hätte dann ein Wiederanlageproblem.

Von diesem Kündigungsrecht dürfte das Fondshaus Gebrauch machen. Auch die Berater und Vermittler würden sich freuen. Schließlich steht dann ein Neukauf an. Vielleicht in ein ähnliches Produkt, denn das gerade lancierte ist nur der Prototyp vieler weiterer. Das heißt, falls die zukünftigen Fonds mit vergleichbaren Konditionen ausgestattet sein sollten: Der Vertrieb kassiert dann vom Kunden wieder eine Kaufgebühr von drei Prozent.

Die DWS gewinnt mehrfach. Sie schärft ihr Profil als „Innovationsführer“. Sie forciert außerdem den Absatz ihrer eigenen Produkte: Der neue Fonds wird stark in DWS-Fonds investieren. Ein einzelner investierter Anleger-Euro erhöht deshalb in den gängigen Absatzstatistiken der Branche die DWS-Verkäufe gleich um zwei Euro.

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