Bulle & Bär: Der dreistellige Ölpreis

Bulle & Bär
Der dreistellige Ölpreis

Steigt der Ölpreis auf 262 Dollar je Barrel? Wird für 159 Liter des Konjunktur-Schmierstoffs bald vier mal so viel gezahlt wie heute? William Browder hält das für möglich.

HB FRANKFURT. Der erfolgreiche Hedge-Fonds-Manager und Chef der vier Milliarden Dollar schweren Hermitage Capital Management hat jetzt ausgerechnet, welche Preise sich die Welt bei Ausfall eines wichtigen Produzenten einhandeln würde. Und es gibt viele wichtige krisengeschüttelte oder politisch instabile Förderländer.

Ohne die saudische Förderung müssten die Händler die genannten 262 Dollar zahlen, so die derbe Prognose. Bereits der Ausfall Irans würde laut Browder eine Preisverdopplung auf 131 Dollar nach sich ziehen. Vergleichsweise komfortabel kämen die Verbraucher bei einer Ausklammerung der venezolanischen oder nigerianischen Förderung davon. Dann hätten sie „nur“ mit Preisen von 111 bzw. 98 Dollar zu tun. Super-Investor George Soros äußerte sich übrigens ebenfalls besorgt über das Verhältnis von Angebot und Nachfrage am Ölmarkt – ohne Prognosen abzugeben.

Die stetige Klettertour des Ölpreises erscheint so manchen Experten abenteuerlich. Vor sieben Jahren kostete das Barrel noch zehn Dollar, gestern wurden für die Richtmarke WTI etwa 65 Dollar gezahlt. Auch vor dem Hintergrund der sich verschärfenden Irankrise und der allgemein schwierigen Angebotslage verblüffen diese ungewöhnlich hohen Schätzungen.

Bereits seit einigen Tagen kursieren Preisüberlegungen, die alle bisherigen Dimensionen sprengen. Manche Marktteilnehmer spekulieren auf höhere dreistellige Notierungen. An der New York Mercantile Exchange werden jetzt Optionskontrakte mit Basispreis 250 Dollar gehandelt. Die Kaufoptionen sind nur dann mit Gewinn ausübbar, wenn der Ölpreis tatsächlich dieses Niveau erreicht. Die Zahl 250 stellt sogar jene Schätzung in den Schatten, mit der im vergangenen Jahr die Investmentbank Goldman Sachs Aufmerksamkeit erregte. Bis zu 105 Dollar könnte der Preis bei einer kurzfristigen Übertreibung nach oben durchschießen, hieß es damals.

Interessanterweise erscheinen solche exotisch anmutenden Prognosen im Rückblick gar nicht einmal undenkbar. Während des ersten Ölschocks in den siebziger Jahren explodierte der Preis von eineinhalb auf 40 Dollar je Barrel. Der gleiche prozentuale Zuwachs, startend beim Tief um zehn Dollar vor sieben Jahren, würde tatsächlich auf das erwähnte Niveau führen.

Die Ölenthusiasten stützen ihre Langfristszenarien vor allem auf den China-Faktor. Der durchschnittliche US-Amerikaner verbraucht rund 25 Barrel pro Jahr. Es gibt viermal so viele Chinesen, von denen jeder im Schnitt mit weniger als zwei Barrel auskommt. Eine Entwicklung zu US-Standards ist sicher unrealistisch. Doch die Chinesen könnten sich ähnlich entwickeln wie die Japaner und Südkoreaner. Dann wäre eine Verknappung programmiert: Beide Staaten steigerten innerhalb ihrer zwei bzw. drei Jahrzehnte dauernden Industrialisierung den Verbrauch auf jeweils rund 15 Barrel pro Jahr.

Den Preis für die kühnste Überlegung gewinnt übrigens der bekannte Vermögensverwalter Marc Faber aus Hongkong. Er dachte kürzlich laut über die 1000-Dollar-Marke nach. Auch dieser Preis sei durchsetzbar, so der Querdenker, weil Öl als Schmiermittel jeder Wirtschaft schlicht unverzichtbar sei. Das erscheint aus heutiger Sicht dann doch utopisch.

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