Bulle und Bär
Der Erdbeerpflücker mit dem 720 000-Dollar-Haus

Endlich können Harry-Potter-Fans den siebten Band der Fantasy-Reihe verschlingen. Fast taggleich mit der Veröffentlichung eskalierten die Probleme mit qualitativ schlechten US-Hypothekendarlehen. Sowohl Leser als auch Börsianer müssen sich durch ein Dickicht aus verwirrenden Begriffen kämpfen.

FRANKFURT. Potter-Neulinge haben es mit Horkruxen, Muggeln, Auroren und Entleuchtern zu tun; Börsianer mit Sub Prime, Leverage, ABX-Indizes und Credit Default Swaps. Geheime Wissenschaften und kryptische Verstrickungen, so weit das Auge reicht.

Nichts zu deuteln gibt es allerdings an den Milliardenverlusten zweier im Markt für Hypothekendarlehen minderer Qualität engagierter Hedge-Fonds der Investmentbank Bear Stearns. Das verhilft der Frage nach dem Gesamtzustand des amerikanischen Hypotheken- und Immobilienmarktes zu neuer Aktualität.

Beim Desaster der Bear-Fonds spielte ein hoher Leverage und damit der Hebel der eingegangenen Positionen eine Rolle. Börsianer schreckten auf, nach dem Motto: Das war erst der Anfang, das Schlimmste steht noch bevor. Glaubt man der Einschätzung, könnten auf die US-Wirtschaft größere Probleme zukommen. Die amerikanischen Verbraucher frönten in den vergangenen Jahren der Lust am Konsum; ihre Shopping-Touren finanzierten sie zum Teil über die Beleihung ihrer Häuser, deren Wert immer weiter stieg. Damit könnte jetzt Schluss sein. Zusammen mit den steigenden Zinsen, die oft auch die regelmäßigen Hypothekentilgungen nach oben treiben, braut sich Ungemach zusammen. Vielleicht bekommen die Skeptiker schon heute oder morgen bei der Veröffentlichung neuer Daten vom Immobilien- und Hypothekenmarkt Rückendeckung. Bill Gross, Anleihe-Guru aus dem Hause Pimco, hebt in seinem jüngsten Ausblick schon einmal warnend die Finger.

Möglich, dass demnächst mehr Geschichten wie die von Alberto Ramirez die Runde machen. Der amerikanische Erdbeerpflücker kaufte ein 720 000-Dollar-Haus - ohne Rücklagen und obwohl er nur 14 000 Dollar im Jahr verdient. Das Versprechen des Vermittlers, er könne die ursprünglichen Finanzierungskonditionen schnell in günstigere umwandeln, löste sich in Luft auf. Kein Happy End. In solchen Stories wittern Skeptiker ein Alarmsignal für den Konsum, damit für die Konjunktur und letztendlich auch für die Aktienmärkte.

Jetzt müsste man Zauber-Lehrling sein. Der würde die Krise einfach mit einem Schockzauber belegen. Für Nicht-Potterianer: Es handelt sich um einen Fluch, der den Gegner außer Gefecht setzt. Börsianer mit schwachem Nervenkostüm sollten zumindest ihre Aktienpositionen bei Finanzwerten senken. Die Finanzbranche war in den vergangenen Monaten ohnehin die schwächste Branche an der Wall Street. Dazu laden die Kursvervierfachungen bei Investmentbanken wie Bear Stearns und Goldman Sachs während der vergangenen sechs Jahre zu Gewinnmitnahmen ein.

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