Bulle und Bär
Der etwas andere Blick in die Woche

Anleger scheinen die Börse verhext zu haben. Da sollte doch eigentlich der September die lang erwartete Korrektur bringen. Doch anstatt zu fallen, erklimmt der Dax beinahe täglich neue Jahreshochs. Selbst der historisch betrachtet schwächste Börsenmonat hält Anleger also bislang nicht davon ab, weiterhin lieber Aktien zu kaufen, anstatt sie mit üppigen Gewinnen zu verkaufen.

DÜSSELDORF. Anleger scheinen die Börse verhext zu haben. Da sollte doch eigentlich der September die lang erwartete Korrektur bringen. Doch anstatt zu fallen, erklimmt der Dax beinahe täglich neue Jahreshochs. Selbst der historisch betrachtet schwächste Börsenmonat – und das mit deutlichem Abstand, egal, wie man die Statistiken auch dreht und wendet – hält Anleger also bislang nicht davon ab, weiterhin lieber Aktien zu kaufen, anstatt sie mit üppigen Gewinnen zu verkaufen.

Ob ausgerechnet der deutsche ZEW-Indikator am Dienstag die Wende bringt, erscheint mehr als zweifelhaft. Selbst wenn der stark gestiegene Stimmungsindex erstmals seit Monaten wieder nachgeben sollte, womit viele Analysten rechnen. Und die Zunft sollte zumindest in diesem einen speziellen Fall gut vorempfinden können, schließlich speist sich der Index aus den Voten der Analysten.

Doch warum sollte sich die Börse ausgerechnet durch einen fallenden deutschen ZEW-Index aus dem Lot bringen lassen? Das schafften zuvor schon Hindernisse von ganz anderem Kaliber nicht. Weder miserable Ausblicke einiger Unternehmen noch einbrechende Kreditnachfragen amerikanischer Konsumenten. Sie deuten auf einen künftig noch sehr viel lahmeren Konsum in der größten Volkswirtschaft hin.

Wem dieser wöchentliche Blick in die Kristallkugel, ob Konjunktur- und Unternehmensdaten die Börsen eher nach oben oder unten treiben, zu milchig ist, sollte einer ganz simplen Formel vertrauen: The trend is your friend. Ins freie Börsendeutsch übersetzt: Folge stets dem Börsentrend. Asketisch ausgelegt bedeutet die Regel, sich stets so zu positionieren wie die Mehrheit. Also Aktien kaufen und Gewinne laufen lassen, solange die Börsen steigen. Und erst dann verkaufen, wenn der Trend dreht und der Dax bereits ein paar Hundert Punkte verloren hat.

Damit verpassen Sie zugegebenermaßen ganz sicher den rechtzeitigen Ausstieg. Doch andererseits wären Sie bei einem Großteil der 2 000-Punkte-Rally im Dax dabei gewesen. Und das lässt dann ein paar Prozentpunkte Verlust, wenn der Trend irgendwann doch einmal dreht, leicht verschmerzen. sommer@handelsblatt.com

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%