Bulle & Bär
Der etwas andere Blick in die Woche

Nokia präsentiert den ersten Quartalsverlust seit 16 Jahren – und was machen die Märkte? Nur kurz geschockt, ist der Spuk schon nach wenigen Stunden vorbei und die meisten Aktien erholen sich. Solange der Markt derart robust auf miserable Unternehmensnachrichten reagiert, spricht vieles für die Fortsetzung des Aufwärtstrends

DÜSSELDORF. Das ist ein Hammer: Nokia präsentiert den ersten Quartalsverlust seit 16 Jahren – und was machen die Märkte? Klar, sie zeigen sich geschockt, die Nokia-Aktie stürzt ab. Es ist die Steilvorlage für eine längst überfällige Korrektur, nachdem die Aktienmärkte seit März weltweit um gut 60 Prozent zugelegt haben.

Doch was passiert dann? Schon nach wenigen Stunden, als die Börsen in den USA öffnen, ist der Spuk vorbei. Die meisten Aktien erholen sich und notieren schon nach kurzer Zeit nahe den Jahreshochs vom Vortag. Wieder einmal nutzen die zu spät Gekommenen die Gelegenheit fallender Kurse, um auf den fahrenden Börsenzug aufzuspringen. Dieses Schauspiel erleben wir jetzt schon seit Wochen: Jeder Ansatz einer Korrektur erstickt im Keim, weil immer noch zu viele Anleger ihr schlecht verzinstes Geld an die Aktienmärkte bringen.

Für die kommende Woche heißt das, dass der Aufschwung noch immer intakt ist. Anfällige Märkte sehen anders aus. Zwar schreit die stärkste Rally in der Börsengeschichte nach einer Korrektur. Doch solange der Markt derart robust auf miserable Unternehmensnachrichten reagiert, spricht vieles für die Fortsetzung des Aufwärtstrends.

Einen Haken hat die Sache aber: Neben Nokia legte auch Amerikas Erfolgsbank Goldman Sachs Quartalszahlen vor. Wieder übertrafen die US-Banker mit ihren Milliardengewinnen die Erwartungen der Analysten. Dennoch reagierten Anleger verschnupft, denn sie hatten noch viel mehr erwartet. Das erinnert dann doch an euphorische Zeiten in der Vergangenheit, denen am Ende stets der Kater folgte.

In der neuen Woche nimmt die Quartalssaison so richtig Fahrt auf, wenn die vielen traditionellen Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen ihre Zahlen präsentieren. Allein die Masse an Vierteljahresberichten spricht dafür, dass es viele Enttäuschungen und Überraschungen geben wird. Reagieren die Börsen auf schlechte Zahlen wie im Fall Nokia, dann bleibt die Börsenampel auf grün. Doch sie springt auf rot, wenn das Beispiel Goldman Schule macht.

sommer@handelsblatt.com

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