Bulle & Bär
Der Musterschüler

Manchmal geht es ganz schnell: Noch im Frühjahr stand Hakan Samuelsson wie ein Schuljunge da. Von seinem ehemaligen Lehrmeister, Scania-Chef Leif Östling, musste sich der Vorstandsvorsitzende des LKW-Herstellers MAN beim vorerst missglückten Übernahmeversuch maßregeln lassen. Wenige Monate später kann sich Samuelsson mit glänzenden Zahlen und noch besseren Aussichten als Strahlemann präsentieren.

DÜSSELDORF. MAN konnte seinen Umsatz im ersten Halbjahr um 12 Prozent steigern, das operative Ergebnis legte um satte 52 Prozent auf 721 Mill. Euro zu. Der Münchener Konzern profitiert von der zügig wachsenden Weltwirtschaft: Je mehr Waren um den Globus transportiert werden, desto höher ist der Bedarf nach LKW.

Besonders in den mittel- und osteuropäischen Ländern ist die Nachfrage nach MAN-Trucks zuletzt rasant gestiegen. In Russland verkaufte das Unternehmen seit Jahresbeginn fast dreimal so viele LKW wie im Vorjahreszeitraum. Auch in den Kernmärkten Westeuropas konnte MAN den Absatz kräftig steigern. Die Auftragsbücher sind bestens gefüllt, die Fabriken arbeiten an ihrer Kapazitätsgrenze. In dieser komfortablen Lage kann es sich der Konzern leisten, die Preise für seine Fahrzeuge und Motoren anzuheben und sich die lukrativeren Aufträge herauszupicken.

Lediglich der schleppend laufende Absatz seiner Busse trübt die Aussichten. Die MAN-Tochter Neoplan erwirtschaftete im ersten Halbjahr einen Verlust von 13 Mill. Euro. Wie andere Hersteller auch kämpft Neoplan gegen die Konkurrenz der Billigflieger, auf die viele Reisende umgestiegen sind.

Um dennoch die avisierte Umsatzrendite von 8,5 Prozent zu erreichen, muss Samuelson die Kosten deutlich senken. Und das geht am besten bei den Arbeitskosten, denn die Produktion der Busse ist sehr personalintensiv. Der Konzernchef prüft deshalb, Teile der Fertigung vom Werk in Salzgitter nach Polen zu verlagern. Nach Einschätzung von Nathan Kohlhoff, Analyst der italienischen Bank Unicredit, könnten dadurch ein großer Teil der zum Gewinnziel fehlenden 65 Mill. Euro eingespart werden. Allzu sehr dürften die Probleme mit der Bussparte MAN ohnehin nicht belasten: Neoplan erwirtschaftet lediglich knapp ein Zehntel des Gesamtumsatzes. Die meisten Analysten trauen der Aktie, die gestern bei 106 Euro notierte, deshalb noch mindestens 20 Euro Kurspotenzial zu.

Mehr Arbeit wartet auf Samuelson auf der alten Scania-Baustelle. Zwar liegen die Verhandlungen über eine Allianz mit dem schwedischen Konkurrenten und dem Großaktionär Volkswagen zurzeit auf Eis. Die Beteiligten betonen, es gebe keinen Handlungsdruck. Doch auf die LKW-Hersteller kommen wegen der schärferen Grenzen für den Schadstoffausstoß erhebliche Entwicklungskosten zu. Und die ließen sich gemeinsam deutlich leichter stemmen. Dafür müssten aber sowohl Samuelsson als auch Östling über ihren Schatten springen.

Till Hoppe
Till Hoppe
Handelsblatt / Europa - Korrespondent in Brüssel
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