Bulle & Bär
Der Sonne zu nah

Sieht die Conergy-Aktie wieder Licht? Auch wenn sie gestern in der Spitze fast sieben Prozent zulegte, fällt der Glaube an ein schnelles Comeback von Deutschlands umsatzstärkstem Solartechnikhersteller schwer.

DÜSSELDORF. Zu nachhaltig haben herbe Gewinn-Enttäuschungen das Anlegervertrauen zerstört. Um die Hälfte brach der Kurs im abgelaufenen Monat ein. Conergy kam offenbar der Sonne zu nah: Seinen Nettogewinn in diesem Jahr glatt verdoppeln wollte der Konzern. Angesichts der rasanten Nachfrage und Umsatzsprünge in diesem Segment schien die Ansage nicht zu hoch gegriffen. Umso mehr schockierte Anleger die Nachricht, dass es zwar bei dem prognostizierten Umsatzsprung auf eine Mrd. Euro bleibt - aber auf Kosten der Gewinne. Unter dem Strich reicht es vermutlich nicht mal mehr für eine schwarze Null. Conergy wurde offenbar Opfer seines ungezügelten Wachstums.

Noch viel schwerer wiegt indes der Vertrauensverlust. Denn ganze zwei Wochen vor der Hiobsbotschaft hatte der Vorstand noch bekräftigt, den Nachsteuergewinn in diesem Jahr verdoppeln zu wollen. Auffällig war bereits zu diesem Zeitpunkt, dass den Worten so recht niemand Glauben schenken wollte. Denn der Aktienkurs bröckelte stetig. Jedem Außenstehenden muss es so vorkommen, als hätten zumindest Eingeweihte mehr gewusst. Die überraschende Berufung des neuen Finanzvorstandes Jörg Spiekerkötter nährte entsprechende Gerüchte.

Als Fazit bleibt die nüchterne Erkenntnis, dass derart heftige Kursverluste angesichts hoher Bewertungen keineswegs überraschen. Denn wenn Investoren deutsche Solarfirmen mit dem 30-, oft sogar 50-fachen des erwarteten Jahresgewinns bezahlen, steckt in den Kursen sehr viel Enttäuschungspotenzial.

Doch wer sich das Debakel genauer anschaut, gewinnt eine noch wichtigere Erkenntnis: Investoren nehmen nicht die gesamte Boom-Branche in Sippenhaft, wie das früher bei ähnlich großen Desastern prominenter Branchen-Schwergewichte die Regel war. Die übrigen Solartechnikfirmen unterbrachen ihren Höhenflug an der Börse nur kurz. Das zeigt: Investoren honorieren, dass Konkurrenten wie Solarworld in der Vergangenheit hohe Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) gerechtfertigt haben, indem die Nettogewinne mit der Bewertung Schritt hielten. Die Faustformel, wonach einem KGV von 20 oder 50 ebenso starke Jahresgewinnzuwächse folgen sollten, ging in der Vergangenheit meist auf. Die Unternehmen rechtfertigten zumindest bislang die hohen Bewertungen.

Darin liegt der große Unterschied zu den früheren Kursexzessen der Technologie- und vor allem Internetbranche. Damals bezahlten Anleger die Anteilsscheine von Intershop & Co mit mehr als dem 100-fachen erwarteten Jahresgewinn, ohne dass sich jemals die kühnen Prognosen erfüllten. Derartige Befürchtungen hegen Anleger in der Solarbranche trotz Conergy immer noch nicht.

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