Bulle und Bär
Der Tor des Jahres

"Alter schützt vor Klugheit nicht." Erfahrung ist einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren bei der Kapitalanlage. Die jüngste Immobilien- und Kreditkrise liefert hierfür erneut einen durchschlagenden Beweis.

FRANKFURT. Der Begriff Erfahrung kennt jedoch große Qualitätsunterschiede. Wer Fachwissen um Funktionsweisen der Märkte oder um Besonderheiten komplexer Finanzinstrumente hat, verfügt über einen gewissen Erfahrungsschatz. Eine besondere Qualität hat Erfahrung allerdings dort, wo weise - und möglicherweise bereits greise - Legenden der Finanzmärkte mit hohem Intellekt von Ereignissen sprechen. Ihr spezielles Wissen beruht meist darauf, dass sie in der weit zurückliegenden Vergangenheit ganz bestimmte Situationen bereits erfahren durften oder aber - im negativen Fall - eben erfahren mussten.

Der heute 76jährige Warren Buffett ist einer jener weltweit geschätzten Figuren, die im Gedächtnis haften gebliebene Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten abrufen, anwenden und schließlich auch in erfolgreiche Strategien umsetzen können. Es ist jetzt mehr als vier Jahre her, als das "Orakel von Omaha" die im Freiverkehr zwischen Banken gehandelte Kreditderivate wie CDS (Credit Default Swaps) oder aber CDO (Collateralized Debt Obligations) als "finanzielle Massenvernichtungswaffen" und als möglichen Ausgangspunkt einer großen Finanzkrise bezeichnete.

Mathematisch exzellent ausgebildete Finanzarchitekten der Banken warfen Buffett selbstbewusst vor, ein ewig Gestriger zu sein und die "neue Welt" nicht zu verstehen. Schließlich befanden sich diese "Financial Twens" in einem Boot mit dem erfahrenen Alan Greenspan. Der Ex-US-Notenbankchef erklärte, der Nutzen dieser Derivate in der Volkswirtschaft übersteige deren Kosten.

Doch die törichten Yuppies und Mammonjünger der Banken kreierten in der Folgezeit immer komplexere synthetische Finanzinstrumente, die oft weit über das eigentlich Sinnvolle hinausgingen. Viele Finanzingenieure überzogen ihre Produktideen und wurden somit zu Kandidaten bei der Wahl zum "Tor des Jahres". Und letztlich erkannte auch der 81jährige Alan Greenspan die Probleme; denn "Mister Uncertainty" zeigte sich noch im März 2007 "entsetzt" über den auf Seiten der Banken gepflegten unbedachten Umgang mit Kreditderivaten.

Auch bei Alan Greenspan griff der Faktor "Erfahrung". Wissenschaftler wissen, dass sich das spätere Verhalten von Menschen durch Erfahrungen manchmal ändert; denn Lernprozesse sind in der Regel mit vorausgehenden Erfahrungen verbunden. Auch Greenspan hat in seiner Karriere Krisen und Crashs erfahren, so dass er letztlich doch noch die Gefahren der brüchigen Viererkette (Wohnimmobilien, Subprime-Hypotheken, Verbriefung und Kreditderivate) erkannte. Es wird den auf hohen Verlusten sitzenden Anlegern wenig helfen, doch es bleibt die Überzeugung, dass die törichten Yuppies aus ihren Fehlern lernen werden "Jugend schützt eben vor Torheit nicht."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%