Bulle & Bär
Deutsche Aktien stehen auf der Kippe

Wie weit fällt der Dax noch? Bankanalysten haben ihre Jahresendprognose für die deutsche Aktienmesslatte bislang nur wenig nach unten geschraubt. Es kann aber auch ganz anders kommen.
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FrankfurtDie Aktien des deutschen Börsenbarometers haben im Jahresverlauf mehrere Male über die Marke von 7500 Punkten gelugt. Vom Top sind sie jetzt aber rund 25 Prozent entfernt. Und trotz der jüngsten Gegenbewegung macht sie hie und da Skepsis breit. Die Schweizer Bank Julius Bär beispielsweise erkennt immer mehr Stresssymptome im Finanzwesen, gerade im Kreditsystem: Sie weist auf die wieder schlingernden Banken und die steigenden Renditen für Unternehmensanleihen hin. Und obwohl die Europäische Zentralbank weiterhin Geld in den Markt pumpt, "saufen die Pferde nicht" - es kommt also in der Realwirtschaft nicht an. Grund: Die Banken sind extrem vorsichtig bei der Vergabe von Krediten. Zu groß ist ihre Sorge vor einer Pleite des Partners.
Auch der Aktienmarkt selbst sendet Warnsignale. Am Donnerstag kollabierte der Dax in wenigen Handelsminuten um satte vier Prozent. Das erinnert fatal an den sogenannten Blitzcrash an der Wall Street im Mai vergangenen Jahres, als etwa der Dow-Jones-Index binnen Minuten um 1000 Punkte einbrach. Offenbar gewinnen Handelssysteme, die automatisch Verkaufsorders auslösen, immer größeren Einfluss.

Krisen-Propheten sehen den Dax noch viel tiefer fallen

Kursrisiken nach unten für deutsche Aktien gibt es durchaus. Eine Talfahrt prognostizieren manche Finanzexperten, die Märkte psychologisch erklären, schon lange. So sieht sich beispielsweise Heribert Müller bestätigt, der den Dax bis auf fast 5100 Punkte fallen sieht. Bis zu dieser Marke ist es nicht mehr weit. In sich hat es aber Müllers Kursziel für das kommende Jahr: Der Gründer des Beratungsfirma Heribert Müller Trust erwartet einen Sturz unter die Tiefstmarke von 2009. Am 9. März des Jahres sackte die Börsenmesslatte auf spektakuläre 3589 Zähler.

Die treibenden Kräfte für dieses Düsterszenario liegen für den als Weltuntergangspropheten bekannten Müller auf der Hand: weitere Bankenpleiten sowie eine neuerliche Zuspitzung der Schuldenkrise in Europa mit Folgen für den Euro.

Gerade deutsche Aktien litten unter einer solchen Zuspitzung. Das scheinen auch die den Markt bewegenden Großinvestoren zu glauben. Denn die US-Standardaktien des Dow Jones haben sich klar besser gehalten als Dax-Titel.
Aktien haben unbestritten als langfristige Anlage einen wichtigen Platz im Depot. Auf Sicht der nächsten Monate gibt es aber - folgt man diesen Gedanken - wenig Kaufargumente. Die kurzfristigen Risiken scheinen noch höher als die kurzfristigen Chancen.

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