Bulle & Bär
Deutsche Bank in der Zwickmühle

Die Anleger des Deutsche-Bank-Immobilienfonds Grundbesitz-Invest stecken in der Zwickmühle. Beginnen sie nach der Öffnung des Fonds im Februar untereinander ein Wettrennen, wer am schnellsten den Ausstieg schafft, provozieren sie womöglich einen noch größeren Verlust.

DÜSSELDORF. Denn die Bank wird nach kurzer Zeit die Anteilsrücknahme erneut wegen Liquiditätsmangels aussetzen und dann vermutlich zur endgültigen Abwicklung des Fonds schreiten. Das heißt: Die Immobilien dürften verschleudert werden, weil sich die DB Real Estate beim Verkauf der Gebäude nicht mehr an die von Sachverständigen vorgegebenen Werte halten muss. Mitgefangen – mitgehangen erleidet er dann wahrscheinlich noch weit größere Verluste, als bisher vermutet werden. Spekuliert wird über Abwertungen zwischen drei und zehn Prozent.

Hören die Grundbesitz-Invest-Anleger auf die Rufe der Fondsbranche, die zur Ruhe und Besonnenheit mahnt, laufen sie Gefahr, zu denjenigen zu gehören, die am Ende die Hunde beißen, weil sie nicht schnell genug aus dem Fonds kommen.

Nun könnte man hoffen, dass das abgewertete Portfolio Neuanleger anzieht, die auf Aufwertungspotenzial setzen. Doch nach dem Imageverlust des Fonds kann man kaum erwarten, dass diese Investoren die Gefahr der erneuten Schließung bannen. Das wäre sehr blauäugig.

Wenn es der Deutschen Bank ernst ist mit ihrer Zusage, den Fonds weiterzuführen, muss sie ihre Kunden aus dieser Zwickmühle befreien. Das geht nur durch die Abgabe einer uneingeschränkten Liquiditätsgarantie vor der Öffnung des Fonds.

Aus dem Skandal um den Grundbesitz-Invest sollten aber auch Anleger anderer Fonds lernen. Es ist nun endgültig klar, dass ein Immobilienfonds mit Anlageschwerpunkt Deutschland zwar typischerweise von den Banken in der niedrigsten Risikoklasse eingestuft ist, aber eben nicht so sicher sein kann, wie das gleichfalls darin eingestufte Sparbuch.

Diese Einstufung mag mit Blick auf die geringe Schwankungsbreite der Renditen gerechtfertigt sein – schließt aber Verluste nicht aus. Die Preise auf dem deutschen Immobilienmarkt werden künftig heftiger schwanken als früher, und die Fondsbranche wird darauf demnächst möglicherweise mit kürzeren Bewertungsintervallen reagieren. In der Diskussion ist eine regelmäßige halbjährliche statt der mindestens einmal jährlichen Bewertung. Für die Investoren heißt das, dass auch ihre Anteilswerte künftig stärker schwanken.

Engagierte Aktienfondsanleger überprüfen ihr Investment regelmäßig durch einen Blick auf Indizes wie Dax und Dow. Auch Immobilienanleger sollten den Markt anhand von Medienberichten verfolgen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, ob sie noch richtig liegen. Eine negative Nachricht ist allerdings noch kein Grund für einen schnellen Ausstieg. Immobilienkäufe bleiben Langfristanlagen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%