Bulle & Bär
Deutsche Post: Geringes Risiko

In unsicheren Börsenzeiten ist eine interessante Strategie, die Suche nach Aktien auf den Kopf zu stellen. Statt über die Chancen nähern sich vorsichtige Investoren lieber über das Risiko den für sie attraktiven Werten: Bei welchen Aktien ist das Abwärtspotenzial derzeit überschaubar? Im DAX lohnt die Aktie der Deutschen Post einen näheren Blick.

DÜSSELDORF. Im Deutschen Aktienindex Dax sticht derzeit die Aktie der Deutschen Post aus einer Reihe von Gründen ins Auge, wenn sich ein Investor auf die Suche nach einem Standardwert mit limitierten Risiken macht. Erstens deutet die Kursentwicklung der vergangenen Monate mit einem Rutsch von 24 auf zuletzt 15,50 Euro darauf hin, dass ungeduldige Investoren inzwischen sich aus der Aktie verabschiedet haben. Seit Jahresbeginn verlor der Titel damit 35 Prozent an Wert. In den vergangenen sechs Monaten schnitt die Post-Aktie demnach um 22 Prozentpunkte schlechter ab als der Dax. Das ist frappierend angesichts der Tatsache, dass die Deutsche Post eigentlich als defensiver Titel gilt, erwirtschaftet sie doch noch immer zwei Drittel ihres operativen Gewinns im krisensicheren Briefgeschäft.

Zweitens hat der Aktienmarkt nach übereinstimmenden Analystenberichten mit den herben Kursverlusten der vergangenen Monate längst jene Gewinnwarnung eingepreist, um die sich der Post-Vorstand mit dem Verweis auf den unsicheren Konjunkturverlauf noch drückt. Konkurrenten wie UPS oder Fedex haben längst gewarnt. Kippt die Post tatsächlich ihre Gewinnziele, wäre niemand beleidigt. Hält sie ihr Versprechen, in diesem Jahr einen Gewinn je Aktie von 1,65 Euro zu erwirtschaften, wäre dies eine faustdicke Überraschung. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis läge bei neun.

Drittens reagiert die Aktie seit Wochen auf schlechte Nachrichten nicht länger mit Kursverlusten. Der Verkauf der Mehrheitsbeteiligung an der Postbank stockt und könnte sich bis weit in das nächste Jahr hineinziehen. In den USA geriet die Post in die Mühlen des US-Wahlkampfs, weil sie die Verluste der Express-Tochter DHL mit einer in den USA heftig kritisierten Restrukturierung in den Griff bekommen will. Dennoch erweist sich seit Mitte Juli die Marke von rund 15 Euro als tragfähige Unterstützung.

Viertens war die Ausschüttungsquote der jährlichen Dividende mit zuletzt 81 Prozent bezogen auf den Jahresüberschuss bedenklich hoch. Die zuletzt gezahlte Dividende von 0,90 Euro je Aktie sollte hingegen selbst dann sicher sein, wenn das tatsächliche Ergebnis je Aktie 2008 am unteren Ende der aktuellen Analysten-Konsensschätzung von 1,25 bis 1,90 Euro je Aktie liegen wird.

Dies liefe auf eine Dividendenrendite von 5,9 Prozent hinaus, die weitere Verluste nicht nur limitieren dürfte, sondern für Privatanleger auch einen besonderen Reiz hat: Sie fließt komplett steuerfrei an inländische Anleger, da sich die Post derzeit und auch noch in den kommenden Jahren für die Ausschüttungen aus einen steuerlich privilegierten Topf aus Kapitalrücklagen bedienen kann.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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