Bulle & Bär
Deutscher Hang zum Bausparen erscheint wenig rational

Das Jahresendgeschäft hat begonnen. Heerscharen von Vertretern schwärmen aus, schreiben Briefe, telefonieren endlose Kundenlisten ab. Ihr Zauberwort heißt: „Prämie“. Wer will sich die schon entgehen lassen, so kurz vor dem Ultimo? Der Kunde? Der Vertreter?

DÜSSELDORF. Nehmen wir das Beispiel Wohnungsbauprämie und setzen uns die Brille des Kunden auf, um über Sinn und Unsinn dieser staatlichen und zumindest im Gesamtvolumen stattlichen Subvention zu räsonieren. Denn immerhin steckt der Bund jährlich gut 500 Millionen Euro in diese Form der Bausparförderung.

Im Detail gibt es bis zu 90 Euro pro Jahr für Verheiratete, für Singles die Hälfte. Die Einkommensgrenzen sind dabei relativ hoch gesteckt. Eine Familie mit zwei Kindern kommt, auch ohne größere Werbungskosten, bis zu einem Bruttoeinkommen von annähernd 70 000 Euro in den Genuss der Prämie.

Genuss? 90 Euro mal einer typischen Ansparzeit von sieben Jahren deckt bei einer Bausparsumme von 50 000 Euro nicht sehr viel mehr als Provisionen und Gebühren. Gleichwohl ist die Prämie ein probates Lockmittel für die Bausparkassen – und für viele Politiker ein Betäubungsmittel, um den Phantomschmerz der amputierten Eigenheimzulage zu lindern.

Dabei hätte die große Koalition die kleine Wohnungsbauprämie besser gleich mit abgeschafft, wie es jetzt die SPD plant. Denn die Förderung ist viel zu gering, um Häuslebauer bei der Finanzierung wirklich voranzubringen. Und es ist nicht gesagt, dass das Geld auch tatsächlich zum Bau, Kauf oder Renovierung einer Immobilie verwendet wird. Denn nach der Sperrfrist von sieben Jahren kann der Bausparer die zugeteilte Summe nach Gutdünken ausgeben, etwa als Anzahlung für Kreuzfahrt oder Straßenkreuzer.

Mit spitzem Bleistift gerechnet lohnte sich die Förderung nur für einen Ratensparer, der mindestens sieben Jahre auf sein Geld verzichten will und eine so geringe Bausparsumme wählt, dass der freundliche Finanzberater die Augen verdreht – also gerade so hoch, dass die Prämie ausgeschöpft wird. Da aber stinknormales Ratensparen bei Banken oft mehr Zinsen abwirft als auf dem Konto von Schwäbisch Hall, Wüstenrot & Co. – aber nicht so lange gebunden und weniger gebührenbelastet ist – erscheint der ausgeprägte deutsche Hang zum Bausparen wenig rational. Zudem sind die Zinsen für Hypothekenkredite bereits seit Jahren hartnäckig niedrig; dagegen müssen die auf den ersten Blick günstigen Zinsen für Bauspardarlehen mit atemberaubenden Tilgungsraten erkauft werden.

Lassen Sie sich, liebe bausparende Eigenheimabzahler, beim nächsten Hausbesuch einmal folgende Rechnung aufmachen: Wie hoch wäre die Restschuld am Ende der Zinsbindung, wenn das Geld für den Bausparvertrag direkt zur Tilgung der Hypothek verwandt worden wäre. Wundern Sie sich nicht, wie viel Sie ohne Prämie gespart hätten!

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