Bulle & Bär
Devil-Börsengang: Teufel im Detail

Das Trauerspiel um den deutschen Markt für Börsengänge ist um eine weitere Facette reicher. Der Braunschweiger IT-Großhändler Devil, der nach über einem halben Jahr der erste Börsenneuling im Premiumsegment Prime Standard werden sollte, hat bekannt gegeben, dass ab sofort "Alternativen zum Börsengang" geprüft werden.

FRANKFURT. Im Klartext heißt das: Kaum ein Anleger wollte die angebotenen 2,85 Mill. Aktien haben. Gerade mal die Hälfte des Orderbuchs war nach knapp einer Woche Zeichnungsfrist gefüllt.

Aus Sicht des Unternehmens war natürlich das schwierige Marktumfeld Schuld am geringen Interesse. Diese Erklärung muss seit Ausbruch der Finanzkrise vor fast elf Monaten jedes Mal herhalten, wenn wieder einmal irgendetwas schiefgelaufen ist am Kapitalmarkt.

Im Fall Devil scheint derweil einiges schiefgelaufen zu sein, wozu der Kapitalmarkt selbst wahrhaft nichts kann. Schließlich hat dieser seit den Tiefstständen Mitte März kräftig aufgeholt, weshalb sich beispielsweise der deutsche Aktienmarkt seither so gut entwickelt hat wie kaum ein anderer etablierter Markt weltweit.

Auch wenn Wortspiele mit Namen nicht opportun sind: Beim Devil-Börsengang lag von Anfang an der Teufel im Detail. Unvermittelt und ohne Präsentation teilte das Unternehmen seine Pläne der Finanzwelt mit, die sicher nicht gerade darauf gewartet hat. Zum einen sind EDV-Großhändler nicht eben das, was am Aktienmarkt großen Erfolg verspricht. Zu vergleichbar sind die Geschäftsmodelle, zu stark sind die Margen unter Druck. Und zu kurz sind die Halbwertzeiten bei den Produktinnovationen. Die 1994 gegründete Devil AG hat beispielsweise noch im Geschäftsjahr 2005/2006 einen Gewinn von gerade 700 000 Euro erwirtschaftet - bei über 300 Mill. Euro Umsatz. Im Jahr darauf stieg dieser immerhin auf zwei Mill. Euro.

Zudem stellten sich viele Anleger von vornherein die Frage, warum ausgerechnet eine Emission über maximal 25,6 Mill. Euro den medienträchtigen Auftakt am IPO-Markt machen soll, wo doch aus der Bankenszene stets die Aussage kam, dass Investoren bei Börsenneulingen speziell auf der Suche nach großen Volumina sind. Mindestens 250 Mill. Euro, besser 500 Mill. Euro oder noch besser 750 Mill. Euro sollten es schon sein, um die Massen zu begeistern. An solchen Kleinstemissionen wie bei Devil haben die großen Häuser schon lange kein Interesse mehr.

Lebenswichtig wäre es deshalb bei einer solchen Konstellation gewesen, dass mit potenziellen Investoren von vornherein abgeklopft worden wäre, wer wie viel zu welchem Preis nimmt. Für gerade die Hälfte des übersichtlichen Emissionsvolumens wurden Investoren gefunden. Das empfiehlt den in diesem Geschäft noch neuen Player Quirin Bank, der das Konsortium führte, nicht unbedingt für weitere Aufgaben.

Dass das Trauerspiel bei deutschen Börsengängen damit zu Ende ist, wäre ein frommer Wunsch. Realistisch ist er nicht.

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